Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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der Ivria in Freiburg gefunden. Der Kartelltag wird auf vorliegende Anträge beschließen müssen, ob und in welcher Form dieser Zusammenschluß Gestalt gewinnen soll. Der Ring der zionistischen Altherrenverbände Oesterreichs, in dem fast alle zionistischen Korporationen Oesterreichs vertreten sind, wendet sich mit einem großen Memorandum, das manches Wichtige enthält, an das Kartell und fordert uns zum Anschluß auf. Auch hier wird der Kartelltag Entschließungen fassen müssen. — Stärker als durch diese vollzogenen und erstrebten Gebietserweiterungen jedoch wird die Entwicklung des Kartells dadurch charakterisiert, daß in diesem Jahre seit langem wieder eine eigene neue K. J. V.-Korporation erstand. An diesem Kartelltag nehmen zum erstenmal Delegierte der Verbindung „Hatikwah" in Leipzig teil. Schon vor zwei Jahren begannen unsere Bemühungen um diese Neugründung. Unter der lebhaften Mitwirkung der Leipziger Alten Herren ist heute die Hatikwah eine blühende Verbindung geworden. Noch mit gewissen Anfangsschwierigkeiten kämpfend, aber schon mit großen Keilerfolgen, und zwar — das erstrebenswerte Ziel, um eine Verbindung fest zu verankern — mit Keilerfolgen vorwiegend unter den Leipziger Abiturienten selbst. Und wie sieht es in den anderen, den Stammverbin* düngen aus? Viele unrichtige Meinungen sind verbreitet über die Lage des jungen Kartells, meist daher rührend, daßjeder von dem einen, ihm bekannten Sonderfall aus verallgemeinert. Wenn man, wie ich es in diesen Tagen getan habe, einmal hintereinander die gesamten Berichte liest, die alle unsere Verbindungen im Sommer und im Winter dieses Jahres erstattet haben, und wenn man dazu die Eindrücke berücksichtigt, die die Reisen von Mitgliedern des Präsidiums zu den einzelnen Verbindungen vermitteln, so ergibt sich ein durchaus uneinheitliches Bild. Da sind Verbindungen, in denen gute hebräische Arbeit geleistet wird; die eine berichtet von vorzüglich bestandenen hebräischen Examina, eine andere von zwei Drittel hebräisch sprechenden Bundesbrüdern. Da gibt es andere, die mangels eines hebräischen Lehrers überhaupt nicht Hebräisch treiben. Da sind Verbindungen, die über das Fehlen jedes persönlichen Zusammenhanges klagen, und andere, die das harmonische, bundesbrüderliche Zusammenleben betonen; solche, die ihr Sonderprogramm in internen Kursen und Veranstaltungen erschöpfen, und solche, die Außenarbeit in Ortsgruppen und Jugendbünden leisten. Ein uneinheitliches Bild, lokal verschieden, verschieden nach den Menschen, die aktiv sind, und häufig noch stärker unterschieden je nach der Person des älteren Bundesbruders, der gerade das Seminar leitet oder die Kurse gibt. Wer es als Aufgabe des Erziehungsressorts angesehen hat, hier in einem Jahr ein einheitliches Bild zu schaffen, ein Bild, das überall zugleich bundesbrüderliche Verbundenheit, zionistische Durchbildung und Außenarbeit zeigt, kann von dem Ergebnis der Erziehungsarbeit nicht befriedigt sein. An Bemühungen in jeder dieser Richtungen hat es nicht gefehlt. Die viel getadelte Erstchargiertentagung hatte sich eine doppelte Aufgabe gestellt: einmal Schemata für einheitliche Unterrichtspläne zu geben, zum anderen die jüngeren Bundesbrüder, über deren Nichtbeteiligung an allen Aussprachen seit Jahren auf 20