Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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unbegründeten Pessimismus in schlechten Zeiten bekämpfen. Auch da hat Goldmann uns einen guten Fingerzeig gegeben: uns tut mehr not eine objektive und historische als eine subjektive Beurteilung der Lage. Zwar ist es im Augenblick schwer zu sagen, wie alle die Probleme gelöst werden können, doch besteht das beruhigende Gefühl, daß hierzu nicht unser einzelner kleiner Verstand berufen ist, sondern der mächtige Instinkt eines Volkes, das sich durchsetzen will. Der zweite Erziehungsgrundsatz, für den wir mit Ernst und Erfolg eingetreten sind, war der: unsere Bundesbrüder zu politischen Menschen zu erziehen, gleichzeitig aber im Kartell vollkommene Neutralität zu wahren, indem wir versuchten, alle Richtungen und Strömungen im Kartell zur Geltung kommen zu lassen und das Kartell nicht auf eine bestimmte Richtung festzulegen. Man hat gerade mir als ausgesprochenem Parteimann in dieser Beziehung kein Vertrauen entgegengebracht, aber jetzt hat sich das Gefühl durchgesetzt, daß sich das Präsidium bemüht hat, unbedingte Neutralität zu halten. Ich will nun kurz eingehen auf einige Vorfälle der letzten Zeit, weil ich glaube, daß es zur Erleichterung der Debatte beiträgt. Nicht eingehen will ich allerdings auf den Artikel im Hed Bethar, weil hiernach wohl kein Wunsch mehr besteht. (Beifall.) Ich freue mich über diese Zustimmung. Das Präsidium wollte von Anfang an diese Angelegenheit nicht als Kartellangelegenheit behandeln und hatte nicht die Absicht, auf diesem Wege Streitigkeiten in das Kartell zu tragen. Ich komme jetzt auf zwei andere Fragen zu sprechen, zunächst auf den Artikel von Pollack im letzten J. St. Auch hier ist bei gutem Willen eine Verständigung möglich. Der Artikel war an sich durchaus gut und verdiente die Aufnahme in den J. St., aber es enthielt zwei Stellen, deren Streichung ich verlangt hätte, wenn ich den Artikel vorher gelesen hätte. Nun tue ich dies aber prinzipiell nicht, um jeden Anschein einer Beeinflussung zu vermeiden. Verantwortlich ist lediglich der Redakteur des J. St. Wir sind der Auffassung, daß man im allgemeinen möglichst frei und unbefangen schreiben soll. Der J. St. ist kein Parteiorgan und hatte niemals eine Stellung, wie etwa die „Jüdische Rundschau". Deshalb müssen wir bei der Aufnahme von Artikeln besonders tolerant sein. Dann kann es passieren, daß der Redakteur eine Stelle stehen läßt, die nach Ueberzeugung seiner Kollegen gestrichen werden mußte. Erstens war das Wort „korrupt" viel zu scharf, zweitens paßte dieses Wort nicht in den Zusammenhang. Denn eine Verhandlung über den Eintritt von Parteien ist keine politische Niedertracht. Ich glaube wirklich, daß es sich hierbei lediglich um einen Lapsus von Pollack handelte. Nun zum Angriff gegen den Misrachi: an sich ist der Angriff gegen eine bestimmte zionistische Richtung im J. St. durchaus zulässig; hier aber lag der Fall komplizierter. Pollack hat nun zu dieser Angelegenheit einen Brief geschrieben, in dem er zugibt, aus einer Unterredung mit Martin Rosenblüth sei hervorgegangen, daß die von ihm aufgestellte Behauptung in dieser Form nicht richtig war. Daher vermöge er diese Behauptung nicht aufrechtzuerhalten und bedauert, ein falsches Gerücht im J. St. wiederholt zu haben. Auch wir wollen dem Misrachi durchaus Genugtuung geben, indem wir 3* 15