Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537812-3537814--7489-3545532- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Bericht über den X. Kartelltag in Dresden. Dem Kartelltag ging* am Sonnabend, 11 März, eine öffentliche Kundgebung des K. J. V. im Saale der Dresdner Produktenbörse voraus, in der Bundesbruder Nachum Goldmanin vor etwa fünfhundert Gästen und Bundesbrüdern über „Idee und Wirklichkeit im Zionismus" sprach. Die Rede, die inhaltlich und formal meisterlich war, machte auf die Zuhörer einen tiefen Eindruck und beeinflußte sehr stark die Verhandlungen des Kartelltags. Der Kartelltag wurde am Sonnabend, 2. März, um 10 Uhr vormittags, im großen Saal des Logenhauses in Anwesenheit von 91 Delegierten (mit 102 Stimmen) und einer großen Anzahl nicht delegierter Bundesbrüder eröffnet mit einer Begrüßungsansprache von Richard Lichtheim: Ich eröffne den 10. Kartelltag des K. J. V. Wir stehen am Abschluß einer Arbeitsperiode und am Beginn einer neuen. Das K. J. V. als Teil des deutschen Zionismus kann sich naturgemäß der allgemeinen Entwicklung nicht entziehen, und es ist die Aufgabe des K. J. V., in dieser schweren Zeit sich zu bewähren. An den ausgezeichneten Ausführungen Goldmanns konnten wir lernen, wie man auch in schweren Zeiten seine Haltung bewahren) und den Ereignissen begegnen kann. Dies zu erreichen, muß das Ziel des K. J. V. sein. Eine weitere Aufgabe für uns ist es, immer wieder zu versuchen, die Avantgarde des deutschen Zionismus zu bilden. Und hier entsteht die Frage nach den Erziehungsproblemen, die vor allem die Diskussion bewegt haben. Gerade diese Fragen werden wir besonders eingehend behandeln. Es bestehen hier verschiedene Grundrichtungen, und dieses Präsidium wollte seine herausarbeiten. In meinem vorjährigen Referat wies ich bereits auf etwas hin, was zu wenig beachtet wird, nämlich auf die Tatsache, daß die Stimmung bei uns immer stark abhängig von der Gesamtlage ist. So herrschte z. B. nach der Balfour-Deklaration auch bei uns im K. J. V. trotz verschiedener widriger Umstände (KriegsVerluste usw.) eine durchaus optimistische Grundstimmung. Auf dem vorigen Kartelltag entstand eine Kontroverse über den Palästina-J. St., dessen Berichte wenig rosig waren und auf manche jüngere Menschen einen bedenklichen Eindruck machten. Es entstand daraufhin unter den Aelteren eine Debatte, ob es zweckmäßig ist, derartige Berichte unseren Bundesbrüdern zu bieten. Wir haben den Standpunkt vertreten* daß dergleichen Dinge von den jungen K. J. V.ern erfahren werden müssen, sonst hat Zionismus keinen Zweck für uns. Die besondere Erziehungsaufgabe des K. J. V. ist es, Palästinas volle Realität zu vermitteln, die Schwierigkeiten aufzuzeigen und zugleich zu ihrer Ueberwindung zu erziehen. Heute sind die Zustände in Palästina noch ernster geworden; der Zionismus, steht im Kampf gegen zahlreiche feindliche Tendenzen. (Assimilation, außerpolitische Kräfte in und außerhalb Palästinas.) Aufgabe des Zionismus und damit auch des K. J.V. ist es, zu versuchen, sich ein klares Bild zu machen, um dann mit männlicher Entschiedenheit an die Lösung der Probleme heranzugehen. Wir müssen dabei eine Art mittlerer Linie einhalten: einerseits vor zu großem Optimismus in guten Zeiten warnen, andererseits & 14