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Der jüdische Student · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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das Bedauern von Pollack zum Abdruck bringen und auf Verlangen des Misrachi eine besondere Berichtigung veröffentlichen werden. Ich komme nun auf eine Kontroverse zu sprechen, die sich im Anschluß an das Rundschreiben einer bestimmten Gruppe erhoben hat. Man hat uns vorgeworfen, daß wir dies Rundschreiben nicht abgedruckt haben. In Berlin wurde diese Frage vielfach diskutiert. Charakteristisch ist nun folgender Vorgang: Der Vorsitzende eines Altherrenbundes wandte sich kritisch gegen die Haltung des Präsidiums. In der Debatte haben wir dann unseren Standpunkt dargelegt. Zu unserer Ueberraschung erklärte dieser Alte Herr daraufhin, daß wir recht hätten. Das ist ein typisches Beispiel dafür, wie man durch verschiedene Darstellungen einen ganz verschiedenen Eindruck hervorrufen kann. Der Kernpunkt der Frage, auf den wir auch bereits hingewiesen haben, ist, daß es ein ungeheuer gefährlicher Weg ist, irgendwelche Kontroversen durch Rundschreiben, Konventsbeschlüsse und dergleichen erledigen zu wollen. Wir persönlich haben diesen Weg niemals beschritten. Konvente sollten nur Beschlüsse über solche Dinge fassen, die sie behandeln können, d. h. über eigene Angelegenheiten. Wenn sich aber die Sitte einbürgert, daß Beschlüsse über politische Vorgänge, Präsidialangelegenheiten usw. gefaßt werden, dann wird dadurch eine dauernde Beunruhigung geschaffen, und die Gruppenbildung im Kartell begünstigt. Weil wir das Kartell hiervor bewahren wollten, haben wir gewarnt. Der zweite Grund zum Nichtabdruck war der: das Präsidium hat nach dem Statut dem Kartelltag einen Präsidialvorschlag zu unterbreiten. Der Sinn dieser Bestimmung ist klar: man wollte hierdurch vermeiden, daß auf Kartelltagen die Personalfragen in Form wilder Debatten behandelt werden. Man sagte deshalb, das abtretende Präsidium habe einen Anspruch darauf, daß in erster Linie seine Stimme gehört wird. Es ist also nicht so wie in der Politik, wo die gestürzte Regierung am wenigsten zu einem Vorschlag berechtigt ist, denn hier handelt es sich nur um den Ablauf einer Arbeitsperiode und nicht um einen Sturz. Wir haben uns daher gesagt, die einzige Instanz, die an dem Präsidiumsvorschlag Aenderungen vorzunehmen hat, ist der Kartelltag selbst. Vorher sind natürlich Besprechungen zwischen Einzelnen und auch Verhandlungen mit dem Präsidium möglich, aber nicht eine wochenlange Bearbeitung durch den J. St., durch Rundschreiben usw. Wir möchten daher nochmals vor diesem zwar nicht im formellen Sinne statutenwidrigen, aber doch unerhört gefährlichen Wege warnen. Noch eins zum Schluß: dies ist der erste Kartelltag, nach dem geglückten Versuch, das B. Z. K. mit uns zu vereinigen. Wir können mit Befriedigung feststellen, daß die Eingliederung sich fast überall reibungslos vollzogen hat, und dadurch starker Zuwachs für uns eingetreten ist. Das Kartell ist in diesem Jahre gewachsen; regelmäßige Arbeit hat dazu geführt. Auch eine neue Verbindung ist gegründet worden. Mit großer Befriedigung stellen wir fest, daß die Fäden nach Palästina immer fester geworden sind und dadurch die Mögüchkeit gegeben wurde, in diesen schweren Zeiten unseren dortigen Bundesbrüdern eine Stütze und Hilfe zu sein. Wir haben einen Hilfsfonds gegründet, über den Ihr noch Näheres erfahren werdet. Wir werden beantragen, daß diese Aktion vom Kartelltag sanktioniert und .16

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