Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Fragen sehr verschiedener Meinung — können dem Zionismus ganz besondere Leistungen erwachsen, und sind ihm erwachsen. Unleugbar ist die Tätigkeit des K. J. V. für die Entwicklung des deutschen Zionismus. Daß K. J. V.er hervorragenden Anteil an deutschem zionistischen Leben genommen haben und nehmen, beruht auf jener besonderen zionistischen Leistung, die der Förderung durch die Gemeinschaft entstammt. Es ist nicht verwunderlich, daß die aus einnem Gemeinschaftserlebnis — Erziehung und gegenseitige Anregung — stammende Leistung vollwertiger ist, als die des einzelnen, der losgelöst, und nur auf sein eigenes inneres Feuer angewiesen ist. Der einzelne braucht die Gemeinschaft, der junge Aktive, um sich erzieherisch beeinflussen zu lassen, der Alte Herr, damit durch die Anregungen aus den Kreisen seiner Freunde immer wieder seine zionistische Arbeits bereitschaft angeregt wird, die Hemmungen überwunden werden, die dem einzelnen, aus ökonomischen, sozialen und schließlich auch biologischen Bedingungen unseres Lebens, entstehen. Wir sehen es manchmal, wie Menschen, die aus unserem Kreise stammen, ihre zionistische Aktivität einbüßen, wenn sie an irgendeinen Ort verschlagen sind, an dem sie keine Dundesbrüder haben, oder daß beim einzelnen das zionistische Interesse verkümmert, sobald eine Lockerung der menschlichen Beziehungen zu den erreichbaren Bundesbrüdern eingetreten ist. So wird die Bundesbrüderlichkeit ein wichtiger Bestandteil unseres ziornistischen Lebens und Erlebens, und deshalb ist sie mehr als eine Folge unseres Zusammenschlusses, sie wird Berechtigung zu unserem Zusammenschluß. Nicht irgendwelche sozialen oder sonstigen Bindungen sind es, die uns berechtigen, uns von den anderen Zionisten in einem besonderen Bund abzuschließen, sondern die Pflege des eine besondere zionistische Leistung verbürgenden Gemeinschaftsgefühls. Sie muß auch imstande sein, die inneren zionistischen Differenzen nicht zu verschleiern oder zu unterdrücken, sondern sie im Rahmen unserer Gemeinschaft und im Bewußtsein der trotzdem bestehenden Verbundenheit im bundesbrüderlichen Geist auszukämpfen. Dieser Kartelltag bedeutet in seinem scharfen Aufeinanderprall der persönlichen Gegensätze und in der überraschenden Lösung des Konflikts ein Bekenntnis zu dieser besonderen K. J. V.-Bundesbrüderlichkeit. Die Bundesbrüder — es waren besonders die Aktiven, die diese Lösung herbeiführten — wollten nicht, daß die politische Differenzierung zu persönlichen Gegensätzen erstarrt. Unzweifelhaft waren beide Gruppen bis zum Höhepunkt der Kartelltags-Diskussion fest entschlossen, dem Exponenten ihrer Anschauung die Leitung des Kartells zu übergeben, und jedes Kompromiß zwischen den beiden Gruppen mußte scheitern, wenn man von diesem Gesichtspunkt an die Zusammensetzung des Präsidiums herainging. Meine Wahl habe ich auf dem Kartelltag mit der Begründung, angenommen, daß ich sie als einen« Auftrag zur Wiederherstellung des bundesbrüderlichen Geistes im Kartell auffasse. Durch die Wahl der anderen Präsidiumsmitglieder ist bereits ein Teil dieser Aufgabe ihrer Lösung zugeführt, denn beide Gruppen haben, ohne über die Zahl der ihnen angehörigen Mitglieder im Präsidium zu feilschen, ihre Vertreter in das Präsidium entsandt, und zwar, wie ich ausdrücklich auf dem Kartelltag gesagt habe, unter der Bedingung, daß sich 11