Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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diese nicht mehr als Vertreter einer Partei im Kartell ansehen. Heute kann man schon deutlich erkennen, daß auf beiden Seiten der feste Walle besteht, einmütig zusammenzuarbeiten, und ich hoffe, daß der Zeitpunkt nicht mehr fern ist, wo es historischer Forschungen bedarf, um festzustellen, welcher der beiden Parteien die einzelnen Präsidiumsmitglieder auf dem vergangenen Kartelltag noch angehört haben. In dieser Stimmung gehen wir an die Arbeit des Kartells heran, mit einem Programm, das keine grundsätzlichen Neuerungen enthalten kann, weil es nicht so sehr ein Kampf um Grundsätze war, der den Kartelltag. beherrschte. Wir wollen die erfolgreiche und gute Arbeit, die das vergangene Präsidium besonders auf dem Gebiete der Konsolidierung des Kartells ge^ leistet hat, fortsetzen und die Palästina-Arbeit, Landesverband der palästinensischen K. J. V.er, Palästina-Hilfsaktion und Palästina-Kreditfonds, fortführen. Die Arbeit in der Altherrenschaft wollen wir besonders durch Stärkung der Gemeinschaft der Alten Herren fördern. Dazu soll uns eine Tagung der Altherrenschaft helfen, die für den Frühherbst vorgesehen ist und den Alten Herren Gelegenheit geben soll, sich in einer landschaftlich schönen Gegend in mehrtägigem Zusammensein nahe zu kommen. Wir wollen besonders auch versuchen, die Alten Herren in* der Provinz zusammenzufassen und ihnen Anregung zu geben und Aufgaben stellen, vor allen Dingen auch einen engeren Kontakt zwischen ihnen und den Verbin]- dungen in der Provinz zu schaffen. Auch die Möglichkeit der wirtschaftlichen Verknüpfung der Altherrenschaft mit Palästina soll Gegenstand unseres Studiums sein. Das Programm der Erziehungsarbeit sieht neben der Arbeit in den Verbindungen eine Reihe von Aktionen vor, die eine Expansion des Kartells vorbereiten und ermöglichen sollen. In erhöhtem Maße wollen wir uns dem zukünftigen Nachwuchs des Kartells widmen. Die Gewinnung von meuen Buindesbrüdern kann nicht auf die Keilarbeit beschränkt bleiben. Wir müssen berücksichtigen, daß die Auseinandersetzungen mit den Problemen, die heute die Jugend bewegen, nicht in ein paar Diskussionen „erledigt" werden können. Hier handelt es sich um eine Erziehungsarbeit, die längere Zeit, oft Jahre in Anspruch nehmen muß, und zu deren Durchführung wir unseren Nachwuchs schon in der Schulzeit erfassen müssen durch Gründung von Schüler-Verbindungen, in denen sich unsere Aktiven intensiv betätigen müssen. Unser Programm wird zunächst Pläne, Ideen, Anregungen umfassen, aber wir haben die Hoffnung, daß das ganze Kartell verstehen wird, daß es darauf ankommt, daß wir uns gegenseitig fördern und anregen. Die zionistische Situation erfordert vielleicht, daß wir auf schwere Kämpfe nach} außen gefaßt sein müssen und auf Auseinandersetzungen innerhalb der Bewegung, die die Gefahr von Zersetzungen in sich schließen. In diesen Kämpfen soll sich das K. J. V. als ein scharfes Instrument und ein starker Pfeiler der zionistischen Bewegung bewähren. Dazu bedarf es, daß wir alle guten, besten Willens sind, unsere Pflicht gegen die Gesamtheit des Zionismus erfüllen und daß wir die wahre Bundesbrüderlichkeit erweisen, die auch noch in dem innerzionistisch Andersdenkenden den Kampfgenossen und Bruder erkennt. 12