Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Auswärtige Amt bei der Förderung der zionistischen Pläne sich auch den weitergehenden Gedanken zu eigen machten, daß eine große Siedlung europäischer Juden unter englischem Schutz in Palästina neben der dauernden Gewinnung der jüdischen Sympathien in der Welt eine Festigung und Erweiterung des britischen Imperiums bedeute und für die künftige Entwicklung des Näheren Orients von großer Wichtigkeit sein müsse. Aus Aeußerungen und Reden englischer Staatsmänner wissen wir, daß diese Erwägungen, die nach wie vor als Grundlage der englischen Palästina- Politik zu betrachten sind, auch wenn sie durch die Ereignisse der letzten zehn Jahre häufig verdunkelt wurden, für die Entscheidung des englischen Auswärtigen Amtes und damit des Britischen Kabinetts die größte Rolle gespielt haben. Daß aber diese Entscheidungen, die im Erlaß der Balfour-DekJaration gipfelten, zunächst auch ein überaus günstiges Echo in der englischen Oeffentlichkeit fanden, hängt mit Imponderabilien zusammen, die nicht unmittelbar politischer Natur waren, sondern mehr auf Stimmungen und Traditionen des englischen öffentlichen Lebens beruhten. Der Durchschnitts-Engländer und auch der gebildete Engländer ist in viel höherem Maße als der Kontinentale bibeltreu und bibelgläubig. Die angelsächsische Rasse hat — wie das Beispiel der Quäker zeigt — ein starkes Qeffchi für da9 Alte Testament und damit auch für das Volk des Alten Testamentes. Diesen Empfindungen entsprach es, daß schon lange vor dem Krieg englische Geistliche und Männer des öffentlichen Lebens dem Zionismus freundliches Interesse zuwandten, daß England die Juden im Orient protegierte, während Frankreich die Katholiken schützte, daß Herzl in England Sympathie und Verständnis fand, daß Josef Chamberiain als Kolonial-Staatssekretär und Ministerkollege Balfours schon im Jahre 1903 das Uganda-Angebot machte. Hier war eine politische Welt, in der die zionistischen Bemühungen nicht nur durch die besonderen Bedingungen des Krieges und die speziellen Erwägungen des politischen Vorteils, sondern auch gefühlsmäßig Anklang fanden. In dieser Welt lebte und wirkte auch der große Staatsmann, mit dessen Namen die Deklaration vom 2. November 1917 verknüpft ist. III. Balfour hat sich als Staatssekretär des Auswärtigen Amtes zweifellos die politischen Erwägungen zu eigen gemacht, die der Leiter des Middle- East-Departements, Sir Mark Sykes, ihm vortrug und er hat im Kabinett die Deklaration durchgesetzt. Aber er war schon lange vorher ein Freund der zionistischen Sache. Weizmanns Verbindung mit Balfour datiert schon aus dem Jahre 1906, als der damalige unbekannte Chemiedozent bei einer Begegnung in Manchester dem Minister Balfour die Gedankengänge des Zionismus erläuterte. Dieser Unterredung erinnerte sich Balfour, als er während des Krieges in seiner Eigenschaft als Erster Lord der Admiralität auf Veranlassung des damaligen Munitionsministers Lloyd George Dr. Weizmann zu einer Besprechung über eine völlig andere Angelegenheit empfing. Dr. Weizmann hielt es nicht für angemessen, bei dieser Unterredung auf jenes weit zurückliegende Gespräch über den Zionismus zurückzukommen. 2* 7