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Der jüdische Student · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Deklaration zu veranlassen und seine Unterstützung während des ganzen Verlaufes der Pariser Friedensverhandlungen zu gewinnen. In England bildete sich im Jahre 1916 ein Kreis zionistischer Führer, die die englische Regierung über den Zionismus zu informieren und sympathisch zu stimmen suchten. An der Spitze dieses Kreises stand kurze Zeit der Oberrabbiner Gaster, ferner Weizmann, Sokolow, Achad Haam, der verstorbene Tschlenow und, von jüngeren in England aufgewachsenen Zionisten, Sacher und Mareks. Die Verhandlungen wurden durch die Erwägung bestimmt, daß bei einem Sieg Englands und seiner Verbündeten Palästina als türkisches Gebiet voraussichtlich unter die Verwaltung der siegreichen Großmächte kommen würde. Man mußte also vor allem England, aber zugleich auch Amerika und Frankreich sowie die kleineren ihnen verbündeten Staaten zu gewinnen trachten. In allen diesen Richtungen wurde eifrig und hingebungsvoll und mit den bekannten Erfolgen gearbeitet. Englands Interesse an der zionistischen Sache wurde unter den verschiedensten Aspekten beleuchtet, und der entscheidende Mann im englischen Auswärtigen Amt, Sir Mark Sykes, wurde ganz und gar für die Idee eines jüdischen Palästina gewonnen. Der Zionismus erhielt in England und Amerika seinen politischen Stempel durch den Begriff der „Befreiung der kleinen Nationen". Das war das Losungswort des Präsidenten Wilson, und das entprach im Falle der Türkei den Wünschen der beteiligten Großmächte nach Auflösung des ehemaligen Sultansreiches. Die Formel, für die Sir Mark Sykes sich mit großer Energie einsetzte, lautete: „Armenien den Armeniern, Arabien den Arabern und Judäa den Juden." Dieses Judäa unter englischlem Protektorat zu schaffen, erschien auch deshalb politisch klug, weil auf diese Weise die französische Forderung auf ganz Syrien (von dem Palästina zur Türkenzeit nur ein Teil war), noch weiter eingedämmt werden konnte. Die zionistische Politik, die sich pro-englisch orientierte, brachte England damit ein positives Geschenk. Indem die Juden sich dem Schutze Großbritanniens unterstellten, jüdische Bataillone für Palästina auf die Beine brachten und in allen politischen Zentren dafür wirkten, daß Palästina unter englische Verwaltung kam, erleichterten sie England das dauernde Verbleiben in Palästina nach der militärischen Eroberung. Wenn auch schon im Sykes- Picot-Vertrag des Jahres 1916 eine Teilung Syriens zwischen England und Frankreich in Form eines geheimen Abkommens vorgesehen war {die Teilungslinie der beiden Einflußsphären lief nach diesem Abkommen direkt nördlich von Haifa nach Osten), so hat die Aufnahme des zionistischen Planes in die politischen Kriegszielforderungen Englands die Anwendung des neuen „Mandatssystems" (an Stelle der mißliebigen Annexion) auf Palästina erleichtert und zugleich die Hinausschiebung der englischen Palästinagrenze weiter nach Norden bewirkt. Die schließlich erzielte Grenzführung entsprach zwar nicht ganz den zionistischen Wünschen, die jQuellen des Litani blieben auf syrisch-französischem Boden, aber das Gebiet um Methula wurde in das englische Palästina mit einbezogen, und die Grenze am Meer von Haifa weiter nach Norden verlegt. Der Zionismus kam also den Engländern aus höchst aktuellen Gründen sehr gelegen. Es ist aber kein Zweifel, daß das englische Kabinett und das englische 6

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