Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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den Versuch unternommen hatte, die Judenfrage zu einer politischen Weltfrage zu ,machen und die politischen Voraussetzungen für die Kolonisation in Palästina zu schaffen (wobei die Kämpfe zwischen der sogenannten praktischen und der sogenannten politischen Richtung nicht Kämpfe um die Zielsetzung, sondern nur Kämpfe um die richtigere Taktik waren), mußte im Sturm der Weltkriegsereignisse naturgemäß alle ihre Kräfte darauf richten, jede sich bietende Gelegenheit zur politischen Förderung der zionistischen Sache zu nutzen. Als der Weltkrieg ausbrach, befand sich die zionistische Leitung in Berlin, und sie blieb dort auch noch bis zum Jahre 1918. Die Leitung — damals Engeres Aktions-Comite genannt — sah sich zunächst vor die Aufgabe gestellt, die vorhandenen jüdischen Siedlungen in Palästina zu schützen und unversehrt über die Kriegszeit hinweg zu erhalten. Diese Aufgabe wurde gelöst, und zwar einmal durch Organisierung der materiellen Hilfeleistung, die wesentlich aus Amerika kam (damals stand Brandeis an der Spitze der amerikanischen Zionistischen Organisation), und weiter durch die in Konstantinopel konzentrierten politischen Maßnahmen, die sich hauptsächlich auf die Sympathien und den Einfluß der amerikanischen und der deutschen Botschaft stützten. Vor allem war es die entgegenkommende Haltung des deutschen Botschafters Baron Wangenheim in Konstantinopel, die den sehr bedrohlichen antizionistischen Zerstörungstrieb der damals maßgebenden türkischen Generäle und Politiker in Palästina hemmte. Hätte die deutsche Botschaft nicht ständig schützend ihre Hand über das jüdische Palästinawerk gehalten, so wäre bei Beendigung des Krieges nicht viel davon übrig gewesen. Es ist hier nicht der geeignete Ort, die damalige Haltung der deutschen Regierung zu erklären und die Methoden darzulegen, nach denen die zionistische Politik sich zu jener Zeit erfolgreich bemühte. Es gelang nicht nur, den augenblicklichen Schutz des Bestehenden zu erreichen, sondern auch durch Verhandlungen mit der deutschen Botschaft eine grundsätzliche Zustimmung der deutschen Regierung zur jüdischen Kolonisationsbewegung in Palästina zu erlangen. Diese vom Reichskanzler Bethmann Hollweg unterzeichnete Zustimmungserklärung wurde schon 1916 als Instruktion der damals kaiserlich-deutschen Regierung den deutschen Konsuln in Palästina übermittelt. Diese Instruktion wurde niemals veröffentlicht und ist nicht zu verwechseln mit jener verhältnismäßig unwichtigen und nichtssagenden Erklärung, mit der viel später im Jahre 1918 das deutsche Auswärtige Amt sich der Balfour-Deklaration anschloß. — Neben den in Berlin und Konstantinopel konzentrierten Bemühungen, die deutsche Regierung zu gewinnen, liefen gleichzeitig Anstrengungen der Zionisten in Amerika und England, die dortigen politischen Kräfte für uns in Bewegung zu setzen. Der Ausgang des Krieges entschied darüber, welche dieser Bemühungen von dauernder Bedeutung für unsere Sache bleiben sollte. In Amerika war es vor allem Brandeis, dem es durch seinien großen persönlichen Einfluß auf den Präsidenten Wilson gelang, diesen während des Krieges zu judenfreundlichen Instruktionen an den amerikanischen Botschafter in Konstantinopel zu bestimmen, ihn in einem entscheidenden und kritischen Moment zum Eintreten für die Balfour- 5