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Der jüdische Student · 1930-03-01 · Heft 3-4 (März 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 3-4 (März 1930)
Date
1930-03-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Balfour und die Balfourdeklaraiion. Von Richard Lichtheim. l; i . Die jüngere Generation im Zionismus, jene Nachkriegsgeneration, die heute etwa 30 Jahre oder noch jünger ist, besitzt den Vorzug und den Mangel, die politische Anerkennung des Zionismus bereits als fertige Tatsache vorgefunden zu haben. Diese Anerkennung ist die Balfour-Deklaration. So ist diese zionistische Generation unmittelbar an die praktische Verwirklichung des Zionismus herangeführt, gleichzeitig aber auch vor den Prüfungen und Kämpfen bewahrt worden, die den politischen Charakter erziehen. Nicht nur in England gab es und gibt es jenen Typus, den man als Balfour-Zionisten bezeichnet: Juden und Nichtjuden, die zum Zionismus kamen, nachdem er von den politischen Faktoren anerkannt und zu einem Teil des englischen Regierungssystems gemacht worden war. Nein, eine ganze zionistische Generation von Balfour-Zionisten ist herangewachsen, denen das berühmte Dokument des großen Staatsmannes Anfang und Ende ihres politischen Denkens und Wollens bedeutet. Weil sie das Dokument und die von ihm bestimmte Epoche der zionistischen Politik, weil sie auch die Menschen, die über dieses Dokument verhandelten und es aus den Händen des englischen Kabinetts empfingen, weil sie die Umstände, unter denen nach Beendigung des Krieges dieses Dokument zuerst in Palästina in die Wirklichkeit umgesetzt wurde, als gegebene Tatsachen vor sich sahen, verloren die Repräsentanten dieser Generation großenteils jene unabhängige Gesinnung, die die ältere zionistische Generation sich im steten Kampf gegen die Widerstände der jüdischen und nichtjüdischen Welt errungen hatte. Hier liegt die entscheidende Ursache dafür, daß die Zionistische Organisation ihren politischen Willen eingebüßt hat und fatalistisch hinzunehmen geneigt ist, was in London ,und Jerusalem geschieht. Es fehlt die neue Führergeneration, die das zionistische Wollen zu gestalten vermag. Eß fehlt der junge zionistische Politiker, der mehr ist als Funktionär, als Organisator des bereits vorhandenen Betriebes. Und doch ist in der Todesstunde Balfours nichts notwendiger, als das Wiedererwachen des politischen Willens im Zionismus, der einmal zur Erringung der. Balfour-Deklaration geführt hat. Ob der Zionismus eine nationale Bewegung im jüdischen Volk bleiben wird, die auf allen denkbaren Wegen oder auch Umwegen sich ihrem großen Ziel anzunähern strebt, oder ob der Zionismus als philanthropischer Verein zur Förderung palästinensischer Institutionen versandet —, das ist abhängig von der Frage, ob die 30jährigen und noch Jüngeren im Zionismus in sich den Willen spüren und zu gestalten vermögen, ein großes geschichtliches Unternehmen im Stile und mit den Mitteln geschichtlicher Ereignisse zu verwirklichen. II. Wie kam die Balfour-Deklaration zustande? Sie ist kein Geschenk des Himmels und auch nicht ein gelegentlicher Einfall des Staatsmannes, der ihr den Namen gab. Die zionistische Bewegung, die seit dem Jahre 1897 4

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