Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Teil in der letzten Zeit den Versuch gemacht, ihren Studierenden für die Ferien Volontärstellen in Handel und Industrie zu vermitteln und ihnen so wenigstens zu einer flüchtigen Bekanntschaft mit der Praxis zu verhelfen; bei jenen fehlt aber selbst dieses Mindestmaß und der erste Rat, den man dem zukünftigen Handelsredakteur geben muß, ist also, wenn irgend möglich, zwischen Studium und Beruf eine nicht allzu kurz bemessene Zeit richtiger und ernsthafter praktischer Arbeit einzufügen. Die alten Handelsredakteure aus der Vorkriegszeit stammten fast sämtlich aus dem Bankgewerbe, das damals, in der Zeit vor den Großbanken, ganz andere Möglichkeiten vielseitiger Ausbildung bot. Selbst für jene Zeit aber war die Kenntnis der Bank- und Börsenpraxis nur teilweise ausreichend, wie sich an nichts deutlicher zeigt, als an der Bevorzugung, die Börse, Banken und Schwerindustrie in der Beachtung durch die Handelspresse der Vorkriegszeit fanden. Jetzt, unter den völlig veränderten Verhältnissen des Nachkriegs, würde das Büro einer Großbank und selbst das Chefkabinett einer Mittelbank noch weniger allgemein geeignet sein, als damals, denn man hat es allmählich wieder gelernt, durch den ,,Geldschleier" hindurch auf das Lebensblut der Volkswirtschaft, auf die Ware, zu blicken. Hier, in der Kenntnis des Warenhandels, der Waren selbst, ihrer Gewinnung und Verarbeitung, liegt also die eine Richtung, nach der der Volkswirtschaftler die theoretischen Kenntnisse wird ergänzen müssen, die ihm das Studium vermittelt. Wie er das tun soll, darüber wird er sich selbst klar werden und wohl vor allem versuchen müssen, diejenigen Verbindungen auszunützen, die ihm persönliche Bekanntschaft und Familie bieten. Denn, abgesehen von der sogenannten Fabrikation, spielt im gesamten Warengeschäft noch immer das Privatunternehmen die hervortretendste Rolle, und sich über dieses zu unterrichten, ist fast immer nur unmittelbar möglich. — Dabei soll übrigens nicht verkannt werden, daß die Unterrichtung durch die Berichte und sonstigen Mitteilungen einer Aktiengesellschaft auf den Gebieten, auf denen diese arbeiten, weder vollständig noch objektiv, also auch nicht ausreichend ist. Ebenso wie an Kennern der Ware und der Warenmärkte, hat die Handelspresse auch einen gewissen Mangel an Kennern des Grundstückswesens und der Grundstücksmärkte, schließlich auch des Genossenschaftswesens, des Versicherungswesens und seiner Verzweigungen. In ganz vereinzelten großen Tageszeitungen befaßt man sich laufend mit dem Grundstückmarkt, aber diejenigen Herren, die ihn bearbeiten, sind fast alle von der juristischen Seite her zu ihm gekommen und können in der Gesamteinstellung diese Herkunft nicht verleugnen. Ein Volkswirt großen Ausmaßes ist seit dem Tod von Ludwig Eschwege, also seit etwa I1/2 Jahrzehnten, in der deutschen Tagespresse auf diesem Sondergebiet nicht mehr zu Worte gekommen, — und das ist sehr bedauerlich. Ob man nun Bodenreformer ist oder nicht, die große Bedeutung all der Fragen, die mit dem Boden zusammenhängen, springt ohne weiteres ins Auge. Sie ist beim Versicherungswesen und dem Genossenschaftswesen nicht ganz so groß, aber beide Gebiete unterscheiden sich in ihrem ganzen Aufbau und in ihren gesamten Voraussetzungen derart von den anderen, mit denen ■der Handelsredakteur zu tun hat, daß sie wirklich ernsthaft nur von Perm