Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Wege zum Handelsjournalismus. Der folgende Aufsatz soll der erste einer Reihe von Artikeln sein, die den Zweck verfolgen, Wege in die Praxis der verschiedenen akademischen Berufe zu zeigen. Bundeshrüder, die ihr Studium auf die Laufhahn des Handelsredakteurs zuschneiden wollen, können sich dieserhalb mit Justus Schloß, SO 16, Köpenicker Str. 48—49 in Verbindung setzen. Die Redaktion des „J. St." Die Frage, ob der Beruf des Handelsredakteurs heute für einen Studierenden der Volkswirtschaft gute oder auch nur durchschnittliche Aussichten bietet, ist ebenso schwer zu beantworten, wie bei den meisten anderen Berufen. Aber man kann das Feld doch verhältnismäßig genau umreißen: Es gibt heute beträchtlich mehr Zeitungen, die die Notwendigkeit verspüren, ihre Leser mit fachmännisch bearbeiteten Nachrichten über die Vorgänge in der Volks- und Weltwirtschaft zu unterrichten, als das vor dem Krieg der Fall war. Damals wird es in Deutschland kaum mehr als sechzig bis achtzig Handelsredakteure gegeben haben, — heute zählt allein der Verein Berliner Handelsr edakteure rund ebenso viel Mitglieder; man wird schätzen dürfen, daß insgesamt, einschließlich der ernst zu nehmenden Fachpresse (das ist nur ein bescheidener Teil dessen, was sich so nennt, weil häufig der technische Fachmann dort die erste Rolle spielt und weil ein großer Teil der Fachpresse bedauerlicherweise nicht ernst genommen werden will, deswegen auch keinen Bedarf für volkswirtschaftliche Fachleute hat) etwa 250 bis 300 Personen (zu vielleicht 2 bis 5 <>/<> Frauen) in diesem Beruf tätig sind. Mit dieser Ziffer ist eigentlich bereits alles gesagt. Es handelt sich um ein Sonderfach, das ziemlich eng begrenzt ist und bei dem nach der Entwicklung des letzten halben Jahrzehnts eine starke Ausweitung des Menschenbedarfes unwahrscheinlich ist. Im allgemeinen Urteil haftet dem Beruf des Handelsredakteurs noch immer die Einstellung an, die sich aus den Verhältnissen etwa der Jahre 1920 bis 1925 ergab: Damals bestand eine ausgesprochene Not an Handelsredakteuren, es liefen, wie man das volkswirtschaftlich gern bezeichnet, 3 bis 4 Arbeitgeber einem Arbeitnehmer nach, und jeder, der damals als junger Anfänger in den Beruf herein kam, hatte, wenn er arbeiten wollte und die sachlichen Voraussetzungen erfüllte, recht gute Aussichten. Ein gutes Viertel derjenigen — wenigen — Persönlichkeiten, die man heute unter dem Begriff der „Handelsredakteure von Rang und Namen" zusammenfaßt, ist erst in jenen Jahren in den Beruf hereingekommen, hat sich also sehr rasch vorwärts gearbeitet. Das etwa ist die tatsächliche Lage und sind die sachlichen Aussichten des „Arbeitsmarktes für Handelsredakteure". Wie soll sich nun der junge Student der Volkswirtschaft verhalten, der später einmal sich diesem Beruf zuwenden will? Auch diese Frage läßt sich nicht ganz eindeutig beantworten, obgleich vielleicht 75 °/o aller Handelsredakteure heute auf dem Wege von den Universitäten und den Handelshochschulen gekommen sind, der dem eben geschilderten Mulus vorschwebt. Der Handelsredakteur hat nämlich zuviel mit der Praxis des täglichen Lebens zu tun, als daß die rein theoretische Vorbildung völlig ausreichen könnte, die ihm die Universität oder die Handelshochschule vermitteln. Diese haben ja zum 67