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Der jüdische Student · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
[Seite] (sequence 63)
Language
German
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verständigen Bxindesbrüdern hier in Palästina und von allen zionistischpalästinensischen wirtschaftlichen Gremien Informationen beziehen. Diese Informationen könnte man auswerten, man könnte detaillierte Richtlinien für alle in Betracht kommenden Fakultäten aufstellen, ein ständiger Kreis von erfahrenen Bxindesbrüdern müßte gebildet werden, die in ausführlichen Beratungen mit unseren jungen Mitgliedern des Kartells diese auf ihre Möglichkeiten in Palästina hinweisen könnten. Dazu gehören Zeit, Geld, Gesinnung und Opferfreudigkeit, aber gleichzeitig würde die Schaffung und das Funktionieren einer solchen Institution einen unerhörten Impuls für das Kartell bedeuten, einen Impuls, den keine noch so gut und idealistisch formulierten Deklarationen ersetzen können. Natürlich kann eine solche Institution nur dann wirklich leben, wenn im Kartell zionistisches Wollen existiert, wenn das ganze Kartell an solche Möglichkeiten glaubt und sich ihre Verwirklichung erzwingt. Nun ist ja das Kartell zionistisch intakt, und es käme darauf an, eine revolutionäre Stimmung zu erzeugen, die die vorhandenen latenten idealistischen Energien in kinetische, lebendige, wirkende umformt. Auch mit dieser Möglichkeit beschäftigt sich Schloß, und, in seinem Aufsatz: „Brith Chawuroth", auch Alfred Berliner. Schloß will Stärkung des einheitlichen Zusammengehörigkeitsgefühls des Kartells durch praktische Bundesbrüderlichkeit und durch Milderung wirtschaftlicher Zukunftssorgen erreichen. Er verspricht sich davon eine erhöhte Festigung und erhöhte Stoßkraft unserer Gemeinschaft. Wir alle sind wohl dieser Meinung, es fragt sieht nur, wie Schloß das erreichen will. Leider verzichtet er darauf, eine Synthese zu finden, die es den jungen Menschen sowohl erlaubt, ihrer Zukunft eine Wahrscheinlichkeit der Sicherheit zu geben, als auch gleichzeitig damit den Weg nach Palästina zu finden. Ich habe mich bemüht, eine Richtung zu zeigen, die solche Möglichkeiten in sich trägt. Aber die Möglichkeiten, die Schloß zeigt, auch in einem deutschen Berufskreis für Palästina zu wirken, sind derartig, daß wir sie für uns nicht entschieden genug ablehnen können. Denn erstens sind sie nicht zionistisch, zweitens bilden sie eine Gefahr, die Gefahr für das Kartell. Es ist gerade eine Hauptaufgabe des Kartells, jüdische Menschen, die heute nur allzu geneigt sind, dem materialistischen Geiste zu folgen, der leider auch in den Vorschlägen von Schloß steckt, aus dem Bann eben dieses Geistes zu befreien. Nicht zionistisch sind die Möglichkeiten, die Schloß zeigt, weil sie nicht den revolutionären Charakter haben, den hier die zionistische Ideologie vorschreibt. Wir wissen, daß gleichzeitig mit dem Aufbau Palästinas eine Revolutionierung des Galuthjudentums vor sich gehen muß. Nicht nur im kulturellen, sondern auch im sozialen Sinne, eine Revolutionierung, deren Erfolg sicher nur mit Hilfe der Impulse erfolgen kann, die aus einem auf neuer sozialer Basis aufgebauten Palästina kommen. Aber wir müssen das auch wollen, wir müssen den Mut haben, bei uns den Anfang zu machen. Schloß aber will das nicht; was ihm vorschwebt, ist ein Weg, der konsequent die vom Zionismus abgelehnte Richtung einhält, ja sie sogar noch ausbauen will. Was uns bisher aufgezwungen worden ist, soll von uns noch forciert werden. 63

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