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Der jüdische Student · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
[Seite] (sequence 62)
Language
German
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Früchte ihrer Arbeit genießen. Man pflegt das schonend auszudrücken: „Hier sind schlechte Aussichten." Welche Schlußfolgerungen zieht Bbr. Schloß aus dieser gegebenen Situation, die er anerkennt? Zunächst stellt er fest, daß „die Wahl eines Berufes, der ganz auf Palästina zugeschnitten und dessen Ausbildungsgang völlig im Zeichen der spezifischen Notwendigkeit Palästinas steht — wie die Erfahrung zeigt —, nicht jedermanns Sache sei. Bleibe also nur noch die Aussicht, in einem deutschen Berufskreise für Palästina zu wirken und sich zu bescheiden". Wirklich, sehr bescheiden! Zu bescheiden für uns und unser zionistisches Wollen! Zionismus ist auch nicht jedermanns Sache, und trotzdem sind viele Zionisten geworden, weil es notwendig war und ist, und weil einige Menschen so unbescheiden waren, Notwendigkeiten über die Erwägung zu stellen, daß diese Notwendigkeiten nicht jedermanns Sache seien. Tatsache ist, daß es sehr wohl Wege gibt — auch für uns Wege gibt —, nach Palästina als nützliche, schaffende Menschen zu kommen. Palästina hat zum Beispiel auch heute die Möglichkeit und ein starkes Bedürfnis danach, praktisch und handwerklich sehr gut ausgebildete Techniker aufzunehmen. Sollte es so schwer sein, einen jungen Bundesbruder zu bewegen, statt die technische Hochschule zu besuchen, in einem Betriebe drei oder vier Jahre praktisch zu arbeiten, um dann ein bis eineinhalb Jahre ein Technikum zu besuchen? Ein so ausgebildeter Mensch könnte ohne allzu große Schwierigkeiten in Palästina als Meister oder Vorarbeiter Beschäftigung finden. Aehnliches läßt sich über das' Baufach sagen. Im Laufe der Zeit wird Palästina auch z. B. für Aerzte, die allerdings auf die spezifischen Notwendigkeiten des Landes spezialisiert sind, aufnahmefähig sein. Schwieriger liegen die Verhältnisse bei den landwirtschaftlichen Berufen. Dafür gibt es in Deutschland für Juden nur wenig praktische Ausbilden gsmöglichkeiten, aber gewiß theoretische. Die praktische Ausbildung könnte sehr gut in gewissen Gegenden Nordamerikas oder auch in Palästina selbst erfolgen. Dazu gehört viel Geld. Aber auch wir haben eine Altherrenschaft, der es wirtschaftlich zum Teil außerordentlich gut geht. Man könnte diese Bundesbrüder zu Opfern bewegen; es ist notwendig, und diese Notwendigkeit werden sie auch begreifen. Wenn sie es aber nicht tun, so haben wir keine Veranlassung, länger mit ihnen eine Gemeinschaft zu bilden, von der wir die Ambition haben, daß sie eine Schicksalsgemeinschaft sei. Man fordert von dem jungen Kartell Bundesbrüderlichkeit und Zionismus: Das wäre Bundesbrüderlichkeit und Zionismus! Ueber die demoralisierenden Folgen eines sich in diesem wichtigsten Punkte (Umstellung auf Palästina) bescheidenden Zionismus sagt Blumenfeld: „Nichts ist bedenklicher, als jungen Zionisten eine Scheinerfüllungi jüdischen Lebens vortäuschen zu wollen, und ihnen eine Befriedigung bei dem „Sicheinrichten unterwegs" einzureden. Unser Ziel ist Zionismus und nicht Beruhigung in einem angeblich verbesserten jüdischen Galuthleben." Notwendig wäre eine außerordentliche Ausgestaltung des Berufsressorts, das auf das engste mit dem Bildungsressort zusammen zu arbeiten hätte, Bildung von Spezial-Studienkommissionen, die in starker Weise von sach- 62

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