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Der jüdische Student · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
[Seite] (sequence 61)
Language
German
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Berufsproblematik im Kartell. Zu den Aufsätzen von Schloß und Berliner. Von Leon C h i t z e s (V. J. St. Maccabaea, A. B.). Nicht dies ist der Weg! (Achad Haam.) Im letzten wichtigsten Abschnitt seines Aufsatzes „Das junge Kartell" stellt Schloß dar, wie im Kartell eine stetigere, äußerlich beruhigtere und also fruchtbarere Arbeit für den Zionismus zu ermöglichen sei. Den Hauptpunkt bildet die Sorge um die wirtschaftliche Zukunft unserer Bundesbrüder; zusammengefaßt: Berufsberatung. Und hier sind die dargestellten Ziele und Wege derart, daß nur schärfste Zurückweisung am Platze ist. Sehr richtig wird der wirtschaftliche Weg gezeigt, den die Juden in Europa gezwungen — wie Schloß selber betont — gehen mußten. Der Weg, der die Juden dazu führte, im wirtschaftlichen Leben denjenigen Platz einzunehmen, den die Anderen inicht haben wollten, der oft bei den Anderen mit einem gewissen Odium der Unehrlichkeit behaftet war, z. B. als Finanzleute, als Händler, — kurz Berufe, die man als „unproduktiv" zu bezeichnen pflegt. Ueber die Berechtigung dieser Bezeichnung ließe sich vielleicht streiten, aber gewiß ist, daß dieser Weg für die Juden kein guter war, gewiß ist, daß gerade wir Zionisten ihn ablehnen, daß es gerade ein Hauptpunkt unserer Ideologie ist, diesen Weg zu korrigieren, daß wir in Palästina ein produktives Leben wollen, nicht nur deswegen, weil sonst unser Leben als Volk dort unmöglich wäre, sondern weil es unsere Sehnsucht ist, als schaffende, arbeitende Gesellschaft dort zu leben. Gewiß ist, daß dieser Prozeß noch nicht zu Ende ist. Es gibt zwar Gebiete produktiver Arbeitszweige, in denen die Juden Platz gefunden haben, nicht sehr fest und nicht sehr stark, aber es besteht bei den Juden eine Tendenz, sich in diesen Berufen zu befestigen, weil sie — soweit die Erfahrungen reichen — sich dort sehr gut bewähren, weil sie eine starke Zufriedenheit darin finden, wirkliche Werte zu schaffen, und nicht nur die von Anderen geschaffenen Werte zu verwalten: zu verwalten gegen den Willen der Anderen. Diese Bewegung steht am Anfang, und wo es Juden gelunigen ist, gegen den stärksten Widerstand der heutigen führenden Schichten in solchen Berufen Platz zu finden, ist es ihnen einstweilen doch nur gelungen, sich in den vorletzten und letzten Zweigen der Produktion zu halten und gar nicht in den entscheidenden Zweigen der Urproduktion. Trotzdem müssen wir als Zionisten diese Tendenz heiß bejahen, denn sie ist uns gleichzeitig eine Hoffnung und Verheißung für Palästina. Wir müssen sie fördern und ermutigen. Dabei wissen wir aber sehr gut, daß es für unser persönlichstes Wohlergehen zunächst als unvorteilhaft erscheinen kann, diesen Weg zu gehen. Die produktive Arbeit, so sehr sie auch durch eine verlogene Ideologie derjenigen, die sie nicht leisten, als glückhaft und moralisch gepriesen wird, wird fast in der ganzen Welt in peinigender Weise ausgebeutet, und die arbeitenden Menschen sind gleichzeitig diejenigen, die am wenigsten die 61

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