Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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werden Aelterenschaften organisiert, und ihnen allen gemeinsam ist die Abneigung gegen ein K. J. V., das sie als Ausdruck selbstzufriedenen zionistischen Spießertums empfinden, und dessen — um es gelinde auszudrücken — Stolz nicht im Einklang zur zionistischen Leistung steht. Man bedenke, daß die Möglichkeit zionistischer Ausbildung außerhalb der Fuchsenstunde heute größer geworden, und daß andererseits das frühere typische studentische Leben heute stark eingeengt ist, da die Examina schwerer geworden sind, und man aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr so Semester verbummeln kann. So besteht denn, wenn nicht größere Aufgaben dauernd ganz lebendig vor Augen stehen, die Gefahr von Berufsphilisterium und Fachsimpelei heute mehr denn je. Wir wissen, daß in unseren Verbindungen diese Gefahr durchaus spürbar ist. Die Entwicklung des K. C. sollte uns zu denken geben. Heute wird von der zionistischen Jugend der Eintritt ins K. J. V. oft nicht weniger abgelehnt, als es früher dem K. C. gegenüber von seiten der Kameraden und C.-V.-Jugend der Fall gewesen ist. IV. Genug der Kritik. Was ist zu tun? Wir brauchen ein Präsidium, das uns aus der Isolierung gegenüber der übrigen jüdischen Jugend hinausführt und uns ihre Aufgaben als die unsrigen empfinden läßt. Reichsausschuß und Landesausschuß der jüdischen Jugendverbände ist für uns wichtiger als Asta und Hochschulpolitik. Wir haben dieselbe Aufgabe wie die Aelterenschaften in anderen zionistischen Bünden: Zionistische Bildung und Erziehung, und wir haben dabei den besonderen Vorteil, daß unsere Bundesbrüder als Studenten im allgemeinen doch noch freier als die anderen sind, und daß unsere Aelteren, die die Erziehungsarbeit leisten sollen, in den verschiedensten zionistischen Lagern stehen. Dadurch wird die Parteischablone leichter ferngehalten, das darf aber nicht zur Kopierung überparteilicher Klubs mit ihren politischen Diskussionen führen. Am dringendsten bleibt für die nächste Zeit die Einordnung in die übrige jüdische Jugend durch stärkere Betonung der gemeinsamen sozialen Arbeit. Als beste Einleitung dazu mag das Präsidium endlich einmal am Ende dieses Semesters eine K. J. V.er-Reise in den jüdischen Osten organisieren! Das Erlebnis der materiellen Judennot ist für viele von uns einmal das vorwärtspeitschende Element zum Zionismus gewesen und wird auch das Gefühl sozialer Verantwortung bei unseren Menschen wecken. Eine solche Reise kann bei zweckmäßiger Vorbereitung so billig gehalten werden, daß sie großen Teilen des aktiven K. J. V. ermöglicht wird. Später soll sich daran eine verantwortliche soziale Arbeit gemeinsam mit der übrigen jüdischen Jugend schließen, zu der die K. J. V.er ja teüwei9e durch ihren Beruf besonders qualifiziert sind. Auf allen Gebieten sozialer Hilfe stehen wir heute in einem Reformprozeß, bei dem der K. J. V.er wertvolle Mitarbeit leisten kann und muß. Hier kann sich nationale Gesinnung im Sinne jüdischer Solidarität bewähren. Leistungen auf diesem Gebiet werden uns auch bei der Keilarbeit helfen: Gerade die besondere Leistung ist es gewesen, die wertvolle Menschen immer wieder zu uns und zum Zionismus geführt hat. Mag die Seesener Tagung einen wertvollen Antrieb in diesem Sinne geben! 60