Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Verjüngung des K. J.V. Von Erich Cohn. Erich Cohn hat die nachfolgenden Ausführungen aus x\nlaß des im vorigen Herbst ausgebrochenen Konfliktes geschrieben. Wir haben ihn gebeten, die grundsätzlichen Gedankengänge von dem einmaligen Anlaß zu trennen. Der Artikel beginnt infolgedessen etwas abrupt. Die Redaktion des „J. St." Es soll nicht geleugnet werden, daß der Apparat wesentlich besser funktioniert als unter den früheren Präsidien. In den Mechanismus des K. J. V. ist Ordnung gebracht worden. Das sichtbarste Zeichen dafür ist das regelmäßige Erscheinen des „J. St." Auch sonst scheint das rein Organisatorische einigermaßen im alten Stile zu funktionieren. „Fehlt leider nur das geistige Band." Von einem inneren Leben des K. J. V., von einem zionistischen Fluidum ist nichts zu spüren. Man sage nicht, daß der der Tagesarbeit des K. J. V. Fernerstehende keine Gelegenheit habe, das wahre K. J. V. kennenzulernen. Der herrschende Geist hat sich immer bemerkbar gemacht, dem % Fernwie dem Nahestehenden. Wäre z. B. ein zionistischer Nachwuchs da, der an die Tore klopfte, um eingelassen zu werden, man würde ihn schon hören. Von der Kardinalaufgabe des K. J. V., einen solchen Nachwuchs zu schaffen, und von ihrer Nichterfüllung durch die jetzige leitende Körperschaft dürfen wir unsere Aufmerksamkeit durch keine politischen Auseinandersetzungen ablenken lassen. Das K. J. V. muß entpolitisiert und zu den reinen Aufgaben zionistischer Kenntnis und Erkenntnis zurückgeführt werden. Das jetzige Präsidium sollte daher nicht ersetzt werden durch ein Präsidium der Richtung Blumenfeld oder wie man sie nennen mag, sondern durch ein völlig unpolitisches Präsidium, für welches ich nur eine einzige Bedingung stelle: nämlich daß es durchweg aus jungen, zionistisch empfindenden, aber zionistisch nicht irgendwie abgestempelten Bundesbrüdern besteht. Eine Jugendbewegung kann heute, nachdem die Weltgeschichte den bekannten großen Riß bekommen hat, nur von Leuten gemacht werden1, die bereits diesseits des Risses aufgewachsen sind. Man muß die jetzt heranwachsende Generation aus eigener Anschauung kennen, mit ihr groß geworden und gleichzeitig ihr doch ein Stück voraus sein, wenigstens an Einsicht in die Situation des Judentums, um sie beeinflussen und gewinnen zu können. So war das Verhältnis von Führern und Geführten in den guten Zeiten des K. J. V. immer. Die Alten Herren, deren Pflege und Wartung auch dem gegenwärtigen Präsidium mehr am Herzen zu liegen scheint als die Förderung der Aktivitas in numerischer und qualitativer Beziehung, sollten in einer eigenen Organisation, mit eigenem Präsidium, zusammengefaßt werden. Ein igener Sportplatz für die Austragung politischer Kämpfe wäre anzulegen, zu welchem der Aktivitas der Zutritt streng zu verbieten wäre. In den gesunden Zeiten des K. J. V. hat die Altherrenschaft immer mehr von der Aktivitas profitiert als umgekehrt, einzelne zu Erziehern geschaffene Alte Herren ausgenommen Daß irgendeine radikale Aenderung eintreten muß, darüber sind sich alle klar, die nach wie vor von der Wichtigkeit des K. J. V. überzeugt sind 57