Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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führen. Das wäre das furchtbarste, das dem K. J. V. passieren könnte. — Was die Formen betrifft, so glaube ich nicht, daß sie eine solche Bedeutung haben, wie sie ihnen von manchen beigelegt wird. Es muß den einzelnen Verbindungen überlassen bleiben, das an Formen einzuführen, was sie für notwendig erachten. Hans Cape 11: Ich fürchte, daß die Tagung wirkungslos verlaufen wird. — Zur Diskussion überhaupt muß ich feststellen, daß unsere Diskussionen meistens aus Mißverständnissen entstehen. Derjenige, der nicht mit jedem Wort, das er spricht, an die tiefsten Grundlagen unserer Bewegung rührt, läuft leicht Gefahr, abgestempelt zu werden als Mensch, der lediglich nach der formalen Seite entwickelt ist. Ich werde mich nicht vor Euch hinstellen und von dem großen revolutionären Zionismus sprechen. Im Augenblick kommt es für uns darauf an, die praktischen Konsequenzen für unsere Arbeit zu ziehen; wir wollen uns davor hüten, immer unsere Tagungen dazu zu benutzen, wieder und wieder die alten, oft erörterten Probleme von neuem zu erörtern. Sie werden dadurch nicht besser. Aber es hätte gesagt werden müssen, in welcher Situation sich der jüdische Student heute befindet und warum er nicht zur Entfaltung einer vollen Aktivität innerhalb der Verbindung kommt. — Diese Tagung wird dann ihren Zweck erfüllt haben, wenn die Bundesbrüder den Wunsch zu aktiver K. J. V.-Arbeit mit nach Hause nehmen. Ludwig Mayer, Berlin: Diese Tagung hat sicherlich nicht alles erfüllt, was wir von ihr erwartet haben. Die Schuld ist gestern auf die Anordnung der Tagesordnung geschoben worden. Es hat sich aber gezeigt, daß die beiden Themen in der Diskussion durchaus getrennt werden konnten. Wir werden uns bemühen, die Wünsche, die in der Diskussion zum Ausdruck gekommen sind, zu berücksichtigen. — Diese Tagung ist kein Kartelltag. Wir wollten hier Dinge besprechen, die an sich auch auf Kartelltagen besprochen werden könnten, aber dort hinter den prinzipiellen Diskussionen zurückstehen müssen. Deswegen mußte bei unserer Tagung das Praktische eine große Rolle spielen. Wertvoller noch als Forderungen und Vorschläge sind Berichte darüber, wie eine Verbindung eine Forderung in die Praxis umgesetzt hat. So ist die Makkabaea, Königsberg, daran gegangen, die Forderung des hebräischen Examens bei ihren sämtlichen Inaktiven und alten Herren praktisch in die Wirklichkeit umzusetzen, mit dem Erfolg, daß alle, die es noch nicht getan hatten, begonnen haben, hebräisch zu lernen und sich der Prüfung unterziehen werden. Dieses Beispiel zeigt, daß man Forderungen, die immer wieder erhoben worden sind, ohne viele Reden in die Tat umsetzen kann, vttnd ein solches Beispiel kann auch wirken. Deswegen kann eine solche Tagung so wichtig werden, weil eine Verbindung von der anderen angeregt werden kann. Wir wissen, daß wir nicht gut dastehen, daß es uns bei weitem noch nicht gelungen ist, unsere Bundesbrüder ganz zu erfassen. Diese umfassende Wirkung herbeizuführen ist unsere Aufgabe. Wie sie gelöst wird, wird am besten am lebendigen, zur Nachahmung geeigneten Beispiel gezeigt. In dieser Hinsicht war uns der Bericht von Bbr. Kanower sehr aufschlußreich. — Diese Tagung wird nicht die letzte sein, wir wollen aus ihr, auch soweit sie nicht geglückt ist, lernen. 56