Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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Redner stutzig. Das K. J. V. kann nur lebendig sein, wenn dieselben Kämpfe, die sich innerhalb des zionistischen Lebens abspielen, sich auch innerhalb des K. J. V. abspielen. 2. Die Veränderung der Bedeutung des Studenten in der geistigen Welt. Das K. J. V. muß sich damit abfinden, daß es Mächte außerhalb des K. J. V. gibt, die durch ihr Wirken allmählich eine Bedeutung bekommen haben. 3. Die Funktionslosigkeit des K. J; V. Das K. J. V. kann seinen Menschen nur dann große Kraft verleihen;, wenn es von ihnen als Kraftzentrum gefühlt wird. Darunter verstehe ich, daß das K. J. V. sich nicht nur in der Arbeit, z. B. der Jugendarbeit, beteiligt, sondern dort für bestimmte Gedanken wirkt. Diese Gedanken könnten heute sein: 1. der Kampf für den politischen Menschen; 2. der Kampf für den dienenden Menschen; 3. der Kampf für einen bestimmten menschlichen Typus. — Ich glaube, daß im K. J. V. immer gerungen werden muß um den geistigen Sinn; alles andere ist wichtige Technik, aber Technik. Winter (Maccabaea) Königsberg übt zunächst Kritik an dem gestern gehaltenen Palästina-Referat. — Der politische Mensch, der unser Ziel ist, muß als Gegensatz zum ästhetischen Menschen aufgeführt werden; ihm ist Aktivität eigen. Diese Einstellung ist der Weg zur zionistischen Leistung. — Es gibt heute im Kartell Menschen, die das Empfinden haben, daß die heutige Lage ungenügend ist, und die die Vorstellung haben,, wie das Kartell aussehen soll. Diese Leute müssen die Möglichkeit haben, dieses Wunschbild klarer herauszubilden. Dazu ist eine Revolution innerhalb des Kartells notwendig, und diese Revolution wird kommen. Etienne Bäsch, Berlin: Im Kartell herrschen grundlegende Meinungsverschiedenheiten. Man kann nicht über Formen reden, wenn man nicht weiß, welches Leben in diesen Formen pulsieren soll. Der Geist ist das beste Erziehungsmittel im Kartell. Das Kartell soll sich nicht im luftleeren Raum befinden, sondern mit dem zionistischen Leben verbunden sein. Die Wurzel des Uebels liegt darin, daß das K. J. V. losgelöst ist von dem was geschieht und losgelöst von Palästina. Es ist dafür zu sorgen, daß unser Kartell wieder völlig palästinozentrisch eingestellt wird. Nur so wird es uns gelingen, die Bundesbrüder wieder in eine Gemeinschaft zu bringen. Steinitz (Zephirah) Breslau: Wir drohen, um ein Wort von Blumenfeld anzuwenden, unserem geistigen Schmus zu erliegen. Bei vielen Bundesbrüdern besteht, wenn man über praktische Dinge redet, die Furcht, daß der Geist dabei zu kurz kommt, und daß wir uns jiicht genügend mit Problemen auseinandersetzen. Das Referat von Capell, welches, vielleicht aus dieser Stimmung heraus, bei manchen Bundesbrüdern Ablehnung gefunden hat, war der einzige Versuch, das Leben in der Verbindung wie es sein soll zu erörtern. — Wir müssen anstreben, daß der einzelne Bundesbruder seinen Beruf so wählt, daß er in Palästina seinen Platz ausfüllen kann. Aber ich habe vor einem Bundesbruder, der sich hierzu entschlossen hat, nicht mehr Achtung als vor dem, der diese Frage negativ beantwortet. — Es ist in der Diskussion der Gedanke ausgesprochen« worden, man solle bei irgendeiner Prüfung eine Gesinnungsprüfung ein- 55