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Der jüdische Student · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
[Seite] (sequence 50)
Language
German
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Organisationsform der deutschen Korporation, waren aber in ihrem inneren Wesen grundverschieden von ihnen. Während die deutsche Korporation in die Gegebenheit Deutschlands eingelagert war und sich als Erbin einer mächtigen Tradition empfand, waren für unsere Korporationen Judentum, Judenheit, jüdisches Volle usw. keine Gegebenheiten, sondern Probleme, deren Lösung wir zu suchen hatten. Je mehr die Lösung dieses Problems der Zionismus zu sein schien, um so deutlicher wurde die Funktion, die wir innerhalb der zionistischen Bewegung haben. Sie besteht darin, tragende politische Schicht der Erneuerungsbewegung zu werden, wegweisend in der Erkenntnis des Problems unserer jüdischen Existenz und vorwärtstreibend durch Handeln und Führen. Nur diese Konzeption gibt uns das Recht zu einer Sonderexistenz. Dieses Recht kann auch nicht angezweifelt werden unter Berufung darauf, daß infolge der sozialen und politischen Umwälzungen neue politische Schichten, insbesondere die Arbeiterschaft in Erscheinung getreten sind. Abgesehen davon, daß es eine Arbeiterschaft innerhalb des deutschen Judentums kaum gibt, ist unsere soziale Existenz deshalb berechtigt, weil sie uns eine Chance bietet: geistige Freiheit, Erziehung zu Kritik und sachlichem Denken, wissenschaftliche Erfassung des geistigen Stoffes, Möglichkeit der Verbreiterung und Vertiefung unseres Wissens. , Es ist nun zu untersuchen, inwieweit die empirische Verbindung, das Kartell, auf Grund ihrer augenblicklichen Struktur der ihr gestellten Aufgabe gerecht werden kann. Hier müssen wir die betrübende Feststellung machen, daß zwar in einigen wenigen Köpfen eine klare Vorstellung dessen, was das Kartell sein soll, besteht, daß aber sonst sehr wenig von politischem Wollen und brennendem Ehrgeiz, in die vorderen Reihen der Bewegung zu treten, vorhanden ist. Wir erleben eine K. J. V.-Verdrossenheit, Zionismus als Pflicht, nicht als Neigung; es fehlt das Bundesgefühl. Was das K. J. V. offiziell seinen Bundesbrüdern bietet, z. B. die höchste Verbindungsveranstaltung, der Konvent, ist oft dazu angetan, eher abstoßend als anziehend zu wirken. Unsere Erziehung, soweit man davon sprechen kann, erfaßt nur den politischen Menschen und auch ihn nur zum Teil. Wollen wir zweckvolle Erziehung betreiben, so müssen wir die Totalität der Lebensbeziehungen der Bundesbrüder umfassen. Das K. J. V. muß nicht nur im ideellen Sinne, sondern tatsächlich die Heimat, der Lebensbereich der K. J. V.er werden. Die Einflußnahme auf den Menschen besteht im wesentlichen im Einfluß des Milieus und erst in zweiter Linie in der unmittelbaren Einwirkung. Dieses Milieu muß eine gewisse Homogenität aufweisen. Ich sehe eine Gefahr darin, daß wir den akademischen Rahmen aufgegeben haben, daher lautet meine erste Forderung: I. Wiederherstellung des akademischen Rahmens. Der moderne Jude, der Zionist wird, sieht zwar im Zionismus seine Erlösung, erkennt aber nicht immer ohne weiteres die Gesetze seiner Disziplin an. Hier gilt aber der Satz, daß der Weg zum Herrschen durch das Dienen geht; daher sollten wir der Frage der Disziplin eine große Rolle zuweisen. In der Korporation, nicht im Klub sehe ich die einzige Form, diese Frage zufriedenstellend zu lösen. Unter Korporation verstehe ich nicht eine Verbindung mit den Formen des deutschen Studententuims, 50

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