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Der jüdische Student · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
[Seite] (sequence 48)
Language
German
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vorkommen, sollte man auch die Anknüpfungspunkte für die Findung neuer Formen nicht gar zu sehr in den Erinnerungen der Alten Herren finden. Uns fehlen feste Formen für gesellige Veranstaltungen innerhalb der Verbindungen. Sie zu finden, kann man nicht dem Zufall überlassen, wie es jetzt geschieht, sondern man wird sich viel ernsthafter um sie bemühen müssen, will man die Verbindung wirklich zum Lebensmittelpunkt machen. Aber dieses Leben in einem angenehmen Kreise findet seinen Zwck nicht in sich selbst, sondern es muß, um zur zionistischen Leistung zu führen, mit lebendigem Zionismus erfüllt sein. Eine lebendige Beziehung zu Palästina wird am ehesten dann zu erreichen sein, wenn die Hachscharah aus einem theoretischen Wunsch zu praktischer Arbeit sich wandelt. Die Verknüpfung mit der zionistischen Bewegung geschieht im Rahmen der Verbindung am besten durch kollektive Uebernahme zionistischer Arbeiten, wie z. B. K. K. L. und Ortsgruppenarbeit. Diese Arbeit darf man nicht nur betrachten vom Standpunkt der zionistischen Leistung, sondern hier liegen selbständige erzieherische Werte, die wir bisher nicht ausgenutzt haben. Sie wirken gemeinschaftsbildend, wenn die Verbindung für ein bestimmtes Arbeitsgebiet die Kollektivverantwortlichkeit übernimmt. Ich sagte anfangs, daß es darauf ankommt, in unseren Menschen die Fähigkeit und den Willen der Verwirklichung der zionistischen Idee zu wecken. Hier liegen die eigentlich erzieherischen Aufgaben der Verbindung. Um erzieherisch erfolgreich arbeiten zu können, bedarf es aber einer gesunden Auslese bei der Auswahl. Hier ist in der letzten Zeit manches gesündigt worden. Wir müssen auf ein gewisses Niveau achten, weil uns sonst die Gewinnung wirklich wertvoller Menschen immer schwerer wird. Die rein zahlenmäßigen Erfolge unserer Keilarbeit dürfen uns hier nicht täuschen. Schwierig ist, wann die Auswahl zu treffen ist. Man weiß, daß manche,, die beinahe abgelehnt worden wären, später sehr tüchtige Bundesbrüder wurden. Andererseits hat man bei der Burschenprüfung, nachdem man drei Semester mit jemand zusammen gewesen ist, nicht mehr das Herz, einen Menschen herauszusetzen, trotzdem man seine Qualitätsmängel kennt. Man sollte daher schon beim Keilen vorsichtig sein. Natürlich lassen sich bestimmte Richtlinien nicht geben, aber Voraussetzung ist ein Mindestmaßgeistiger Qualitäten, weil ohne sie unsere Bildungsarbeit nicht durchführbar ist, die Fähigkeit zu kollektivem Zusammenleben und Befähigung zur Entfaltung politischer Aktivität. Schlimmer als mit der Fähigkeit zu politischer Aktivität und zur Verwirklichung des Zionismus ist es aber mit dem Willen hierzu bestellt. Hier müssen wir alle Bequemlichkeitslösungen von vornherein diffamieren. Unsere Bundesbrüder sollen dazu erzogen werden, sich alles, was ihre Stellung zum Zionismus angeht, so unbequem zu machen wie irgend möglich. Bei: der Entscheidung zwischen Alijah und Galuth können wir zwar nicht ohne weiteres das Ergebnis bestimmen, aber wir müssen verlangen, daß sie mit dem nötigen Ernst vollzogen wird. Es kommt hier an auf das Verantwortlichkeitsgefühl des Einzelnen. Ein Mittel hierzu liegt in dem System der Selbstarbeit. Darunter verstehe ich, daß man sich bei der Verbindungsarbeit nicht auf Menschen verläßt, die außerhalb stehen und auf sie einen Teil der Verantwortung ablädt. Daher haben Kurse, die von Alten Herren gegeben, 48 s

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