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Der jüdische Student · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
[Seite] (sequence 47)
Language
German
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Die Erstchargierten-Tagung am 16., 17. und 18. November 1929. (Fortsetzung aus dem Dezember-„J. St.") Das Leben in der Verbindung. Karl Nathan: Unsere Verbindungen haben zur Aufgabe die Erziehung unserer Aktiven zu Menschen, die ihr Leben voll einsetzen für die Lösung der Judenfrage,, der sachlichen wie der persönlichen, in zionistischem Sinne. Das Erziehungsziel der Verwirklichung der intellektuell erkannten und innerlich erlebten, Idee des zionistischen Aufbaus von Erez-Israel hat im wesentlichen vier Voraussetzungen. 1. Die zionistische Erkenntnis, 2. das zionistische Erlebnis, 3. die Fähigkeit und 4. den Willen der Verwirklichung. Diese Faktoren haben auch die Arbeit und das Leben in der Verbindung zu bestimmen. Ueber die intellektuelle zionistische Ausbildung ist bereits gesprochen worden. Wie man Erlebnisse „macht" vermag ich auch nicht zu sagen. Es gibt aber gewisse objektive Voraussetzungen, deren Schaffung zu einer erlebnismäßigen, emotionellen Verbindung mit dem Zionismus führt. Hier handelt es sich, wenn man absieht von außerhalb der gewöhnlichen Arbeit liegenden Dingen, wie z. B. einer Palästinareise, vor allem darum, aus der Verbindung eine mit lebeadigem Zionismus erfüllte Gemeinschaft zu machen, in der Verbindung eine Atmosphäre zionistischer Spannkraft zu schaffen. Die Verbindung muß eine lebendige Gemeinschaft sein, wobei „Leben" nicht dein Sinn von Betrieb hat, wie manche Bundesbrüder glauben, sondern es gilt möglichst viele Interessen in den Bereich der Verbindungsarbeit hineinzuziehen. Man hat einmal das Schlagwort geprägt, daß die „Totalität unserer Lebensbeziehungen" in der Verbindung liegen müsse. Natürlich kann das nicht heißen, daß es keine Interessen außerhalb des K. J. V. gibt, es kann auch nicht bedeuten, daß im Rahmen der Verbindung für alle denkbaren Betätigungen Platz sein müsse. Ueberhaupt gilt hier weniger eine quantitative Betrachtung, sondern es kommt darauf an, daß die Verbindung das gesellschaftliche Milieu ist ebenso sehr wie das intellektuelle, so daß die Betätigung außerhalb des K. J. V. einen peripheren Charakter hat. Die Schwierigkeiten eines solchermaßen konzentrierten Verbindungslebens liegen einmal in der Gefahr der zionistischen Vereinsamung, die wiederum dazu führt, daß unser Zionismus zu unlebendig, weil zu akademisch wird, andererseits darin, daß diese rein männliche Gesellschaft die erotischen Beziehungen der einzelnen vernachlässigt oder doch wenigstens ihre harmonische Eingliederung nicht erlaubt. Die Frage der Beteiligung von Mädchen an Verbindungsveranstaltungen wie Kursen usw. sei hier nur erwähnt. In diesem Zusammenhang ist weiter wichtig die Frage der Form. Ich glaube nicht, daß es sich für uns darum handeln kann, die Formen des Vorkriegskartells zu übernehmen. Es kann sich nur um ein Uebernehmen handeln, denn wer die durchschnittliche Langweiligkeit der von der Aktivitas veranstalteten Kneipen kennt und weiß, wie wenig wir im Grunde mit Farben und Bierzipfeln anzufangen wissen, wird nicht das Gefühl lebendiger Tradition hierbei haben. Und da sie uns überdies etwas unmodern 47

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