Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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„Kreditgenossenschaft Jüdischer Akademiker." Wir geben Euch beute, zugleich mit der Aufforderung zum Beitritt, Kenntnis von der erfolgten Gründung einer Kreditgenossenschaft des K. J. V., über deren Zweck Euch die ebenfalls abgedruckten Statuten unterrichten*). Es dürfte jedoch notwendig sein, wenn auch nur flüchtig, Euch die Gründe auseinanderzusetzen, die uns zu diesem Schritt veranlaßt haben. Wir sind gern bereit, allen denen, die ein besonderes Interesse dieser Sache entgegenbringen, insbesondere denen, die sich bereit erklären, für die gute Sache zu werben, Abschrift eines ausführlichen Referates zukommen zu lassen. Berufsvermittlung und Berufsunterstützung sind schon immer eine wichtige Aufgabe unseres Kartells gewesen. Diese Aufgabe des Kartells nachhaltig zu fördern und zu unterstützen durch die Schaffung eines eigenen Kreditinstrumentes soll der Hauptzweck der Kreditgenossenschaft sein. Im Zusammenhange mit den wirtschaftlichen und insbesondere auch den politischen Verhältnissen des heutigen Deutschlands ist e9 dahin gekommen, daß die Erreichung wirtschaftlich wichtiger Positionen für uns Juden ungeheuer schwierig, man kann in vielen Fällen sagen, unmöglich geworden ist. Dazu kommt die politische Entwicklung, die die Anstellung von Juden ungeheuer erschwert. Verschärft worden ist die ganze Lage noch durch Krieg und Inflation, die einen sehr großen Teil des jüdischen Kapitals, das auch in schwierigen Zeiten unsere wertvollste Unterstützung gewesen ist und insbesondere jetzt hätte sein können, vernichtet hat. Die Möglichkeit einer Existenzgründung ist also außerordentlich erschwert. So wird es immer notwendiger, zu versuchen, soweit es in unseren Kräften steht, diesen Schwierigkeiten entgegenzuarbeiten und die Frage der Berufsstützung wenn auch nicht zu lösen, so doch einer Lösung näherzubringen. Es ist nicht nur eine bundesbrüderliche Pflicht hier zu helfen, oder zu versuchen, zu helfen, sondern auch eine eminent zionistische Pflicht, da wir insbesondere auch hoffen, die Uebersiedlung von Bundesbrüdern nach Palästina auf diese Weise tatkräftig zu fördern. Zur Lösung dieser Fragen wollen wir versuchen, durch Gründung dieser Kreditgenossenschaft beizutragen. Sie ist als solche zwar noch ein leerer Begriff, aber Liebe zur Sache und eine straffe Organisation* können sie, unserer Ansicht nach, zu einem der wichtigsten Instrumente unseres Berufsressorts machen. Die Berufsunterstützung der Kreditgenossenschaften in diesem engen Sinne soll im Anfang nur eine rein geldmäßige sein und möglichst auf rein geschäftlicher Basis mit geringstem Risiko den größtmöglichsten Nutzeffekt zu erzielen versuchen. Wir hoffen bestimmt, daß sich unserer Kreditgenossenschaft mindestens 500 Bundesbrüder, insbesondere Alte Herren, anschließen werden, die uns auf diesem Wege 25 000 M. Betriebskapital und 250 030 M. als Haftsumme bringen. In diesem Augenblick ist unsere Genossenschaft ein starkes und kreditwürdiges Institut, das auch nach außen hin, insbesondere für Bürgschaften, von jeder Stelle als kreditwürdig angesehen wird und vielleicht schon aus * Abdruck erfolgt aus Platzmangel im nächsten J. St. 37 5*