Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537812-3537813--7421-3545463- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ueber die eigentliche „Ueberweisungsmoral" bei den einzelnen Bundesbrüdern hier nur soviel, daß man von ernsten Zionisten, an die man doch z. B. mit der Forderung der Chaluziuth herantritt, doch erwarten könnte, daß sie für ihre Person bereit sind, gewisse, relativ geringfügige persönliche Opfer zu bringen, wenn die dringendsten Interessen ihres zionistischen Heimatverbandes es fordern. Dieses Minimum an zionistischer Bewährung sollte schließlich erreichbar sein. * * * Wenn schon grundsätzlich die Frage nach der Zulänglichkeit der traditionellen Formen der Kartellorganisation auftaucht, so gewinnt sie in d&n gegenwärtigen Stadium des organisatorischen Neubeginns auf dem wichtigsten Gebiet unserer Arbeit: dem der Erziehung, besondere Bedeutung! Da nämlich heute fast alle Verbindungen an der historischen Zufälligkeit ihrer persönlichen Zusammensetzung kranken, besteht in erhöhtem Maße die Notwendigkeit, diesem System ein anderes, auf Plan und Auswahl beruhendes, konkret gegenüberzustellen. Gemeint ist hier das System der Bezirksverbände, das unter bestimmter Modifikation innerhalb der Aktivitas durchgeführt werden kann. Für den« Anfang wäre schon viel gewonnen, wenn 7. geographisch einigermaßen nahegelegene Verbindungen sich zu dauerndem persönlichen Kontakt und, was das Wichtigste ist, in dem Kreis ihrer führenden Menschen zu ständiger Mitarbeit (Bezirkskonferenzen) an der Klärung der wichtigsten Fragen besonders auf dem Gebiete der Erziehung zusammenschließen. Es ist nämiich das Unglück der Erziehungsarbeit unserer Verbindungen, daß es an einer ständigen aus der Praxis geborenen, theoretisch fundierten Diskussion unserer Erziehungsprobleme durchaus fehlt, ja, daß solche Diskussionen als „theoretisch" (auch ein Schimpfwort!) in Verruf gekommen sind. Verständlich ist das freilich aus der Not vieler Verbindungen, denen es in der Praxis vor allem Sorge macht, für die dringendsten Aufgaben niemals den richtigen Menschen zu finden, und die deshalb mit den besten Erkenntnissen praktisch nichts anfangen können. In aller Regel also ist es erschreckend, mit welcher Gedanken- und Systemlosigkeit der größte Teil unserer Erziehungsarbeit geleistet wird. Denn die Wirkung dieser „Flucht in die Praxis" ist eine Ungeistigkeit und damit, letztlich, pädagogische Sterilität, wie sie schlimmer nicht gedacht werden kann. — In den Jugendbünden kennt man fast überall die Einrichtung der „Führerschaft", der örtlichen Zusammenfassung der in den einzelnen Gruppen an führender Stelle arbeitenden Menschen. Aus solchen Kraftzentren, durch die ständige geistige Reibung der Besten, der Auswahl der pädagogisch Wichtigsten, entsteht fast mit Notwendigkeit schon ein Minimum an Feuer und Geist. In diesem Rahmen wachsen in ständigem "Ringen um ihre letzten Ziele die Menschen zu einer Generation zusammen. Durch die Aufgaben der pädagogischen Praxis, vor die sie alle gestellt sind, werden sie vor dem Sichverlieren in bloße Dialektik bewahrt. Und es ist überhaupt unvorstellbar, wie ein Bund eine e i n - 31