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Der jüdische Student · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
[Seite] (sequence 28)
Language
German
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gefällt, obwohl man deutlich weiß, daß man nach einiger Zeit seine instinktive Abneigung auch rational begründen könnte. Natürlich reicht bei genügender Energie und Konsequenz in der Anwendung unter Umständen auch unser jetziges System aus, aber ich zweifle, daß diese Voraussetzungen in genügendem Maße vorliegen. Ich schlage deshalb zur Abhilfe vor: 1. Die K. J. V.-Nadel kann einem Fuchsen erst nach einem Semester verliehen werden. Die Verleihung erfolgt auf einstimmigen Beschluß des B. C. Wird die Einstimmigkeit nicht erzielt, so ist die Abstimmung auf Antrag eines Bundesbruders auf dem nächsten B. C. (jedoch frühestens einen Tag darauf!) zu wiederholen, dessen Entscheidung endgültig ist. Die Verweigerung der Nadelverleihung bedeutet den Ausschluß des Fuchsen aus dem Kartell. 2. § 64 Abs. 3 K.-O. lautet: Die Einführung darf nicht auf einem Konvent an demselben Tage erfolgen, an welchem der Aufnahm ebeschluß gefaßt ist. Solche Maßnahmen helfen freilich nur gegen die Weiterführung schlechter Methoden in der Zukunft, nicht gegen Sünden der Vergangenheit. Hierzu müßte man 3. beim Präsidium eine Instanz schaffen, die ex officio das Recht hat, gegen jeden Aktiven und Inaktiven vor dem Konvent seiner Organisation den Ausschluß zu beantragen. Die Kompetenz dieser Instanz soll auf eine bestimmte Zeit begrenzt werden. Diese Instanz dürfte also nicht erst auf Antrag eingreifen, sondern müßte sich iiie Aufgabe einer großen Säuberungsaktion stellen. Dazu gehört freilich Mut und Vertrauen zur gewählten Leitung. Wird man beides bei uns aufbringen? II. Ich komme hier zu dem Kapitel, für das ich als das wichtigste meiner Ausführungen um besondere Beachtung bitte. — Wenn Organisation vornehmlich den Einsatz der richtigen Menschen in der richtigen Form für die richtigen Zwecke bedeutet, so behaupte ich, daß wir im Kartell heute sehr weit von wirklicher Organisation entfernt sind. Der junge Akademiker in Deutschland zeichnet sich noch immer durch ein relativ hohes Maß geographischer Freizügigkeit aus. Das Kartell verfügt für die Bildung seiner Arbeitszellen demnach über mehrere Hundert Menschen, ungleich wertvoll als Subjekte wie alö Objekte der Erziehung, und es wäre seine Aufgabe, für die Zusammensetzung dieser Zellen durch planmäßige Auswahl nach einem durchdachten System das Beste des Erreichbaren herauszuholen. Die Organisationsformen, in denen das geschieht, können die mannigfaltigsten sein, sachliche (z. B. berufliche), lokale, überlokale, historisch-persönliche Zusammenfassungen . (letztere soweit sie als wertvoll erkannt werden) sind ».möglich. Irgendein Schema, am grünen Tisch entworfen, wird natürlich nie durchgeführt werden können, die Ausgestaltung hängt von den tatsächlichen Gegebenheiten ab. 28

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