Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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s.ondern auf einen Betomingsunterschied hinaus. Auch diese Diskussion ist somit unfruchtbar, wenn auch nicht müßig: denn die Gegensätze sind da und bestimmen den Kampf um die Praxis und Realität des Kartells, um die einzelne organisatorische Maßnahme. Der Kampf um diese gewinnt die Fruchtbarkeit zurück, die dem bloßen Prinzipienstreit verloren gegangen ist, und auch darauf stützt sich die Forderung nach organisatorischer Initiative. C. Die Vorschläge, die ich für die organisatorische Kartellpraxis zu machen habe, gehen von der Erwägung aus, daß es nicht nur, wie man bei uns immer anzunehmen geneigt ist, ungünstige Situationen, sondern auch falsche Methoden gibt, auf deutsch: daß man Fehler gemacht haben und diese überwinden kann. In jeder anderen Jugendorganisation, etwa den Jugendbünden in Deutschland, geht man so vor, arbeitet an sich im großen, sucht voramzukommen, man spürt eine „Bewegung". Bei uns ist man, ganz ernsthaft gesagt, zu klug dazu. Organisatorische Maßnahmen betreffen immer nur Formen des Lebens, die wirklichen Quellen geistiger Kraft sind nur von den Inhalten her zu wecken, durch die Hingabe an die großen Objektivitäten. Dieser Grenzen der Tragweite meiner Vorschläge bin ich mir bewußt. Trotzdem gilt mein Bestreben der Durchsetzung der einzelnen organisatorischen Maßnahmen in concreto, nicht eines abstrakten Geistes der Sachlichkeit. Ich habe aus einer nicht ganz geringen Kartellerfahrung gelernt, gegen diesen bloßen „Geist" mißtrauisch zu sein, nicht, als ob ich ihn: die Grundlage jedes pädagogischen und somit auch organisatorischen Erfolges, entbehren wollte, sondern weil ich glaube, daß er für sich zu unserer Leistung nicht genügt. Vorschläge. I. Man klagt bei uns über schlechte Qualität der zu uns kommenden und gekommenen Menschen, sieht die Gründe in Zeiterscheinungen, Uninteressiertheit der heutigen Jugend an geistigen Fragen usf. usf. Hat man sich je mit dem genügenden Ernst bemüht, unsere eigenen Auswahlmethoden so zu gestalten, daß sie unseren Zwecken entsprechen? War man sich der ungeheuren Tragweite dieser Frage bewußt? Weiß man wenigstens heute, daß alle unsere Kasches zu 75 o/o auf Unterlassungssünden auf diesem Gebiet beruhen und hat man endlich den Willen zur Qualität auf Kosten der Quantität? Das Sich-zu-Herzen-nehmen solcher Einsichten ist erforderlich, aber nicht -ausreichend. Es wurde richtig gesagt, daß in sehr vielen Fällen die erforderliche Kenntnis der Person erst nach etwas längerer Bekanntschaft mit dem Aufzunehmenden möglich ist, also nach unserem jetzigen System in der Regel noch nicht zur Zeit der Aufnahme. Man1 hat vielfach nicht den Mut, einen Menschen abzulehnen, dessen Nase einem nicht 4 27