Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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für Palästina?" Die Antwort: „Indem wir möglichst viele K. J. V.er in einer Form nach Palästina bringen, die weder für die palästinensische Volkswirtschaft eine Belastung, noch für die betreffenden Bundesbrüder lebenszerstörend ist/4 Die Erziehung im Kartell muß von Anfang an darauf gerichtet sein, in dem jungen Bundesbruder den Willen zu erwecken, irgend einmal nach Palästina zu gehen. Es wird aber jetzt so wenig wie bisher möglich sein, eine derartige Erziehung mit Aussicht auf Erfolg durchzuführen, wenn das Kartell nichts dazu tut, um die Wege nach Erez-Israel zu ebnen. Dazu sind eine Reihe wirtschaftlicher Maßnahmen notwendig. Eine davon ist vom Präsidium bereits ergriffen worden: die Schaffung ' des Palästina-Kreditfonds, der im Lauf der Jahre erheblich verstärkt werden muß. Während er augenblicklich nur dem Zwecke dient, Bundesbrüdern1, welche schon drüben sind, für bestimmte wirtschaftliche Zwecke die Mittel zur Verfügung zu stellen, wird er in Zukunft ein Alijah-Fonds sein müssen. Bundesbrüder, die hinübergehen, sollen aus ihm subventioniert werden, soweit es notwendig ist. Das Palästinaressort wird weiterhin systematisch nach geeigneten Positionen für Bundesbrüder im Lande Umschau halten und dafür Sorge tragen müssen, daß diese Möglichkeiten für unsere Menschen nutzbar gemacht werden. Vor allem aber muß auf eine erheblich verstärkte finanzielle Beteiligung unserer Altherrenschaft an den wirtschaftlichen Unternehmungen Palästinas Sorge getragen werden. Es gibt eine ganze Reihe solider Unternehmungen in den verschiedensten Wirtschaftszweigen, die bei der notorischen Kapitalarmut Palästinas einen erheblichen Geldbedarf haben und bei denen das Risiko auch nicht größer ist als in Deutschland. Allerdings ist der Zinsfuß augenblicklich dort niedriger als hier. Aber es ist sehr unwahrscheinlich, daß das krasse Mißverhältnis zwischen dem Zinsfuß in Deutschland und dem in den übrigen, besonders in den außereuropäischen Ländern auf die Dauer so bleiben wird. Das sind freilich Dinge der praktischen Arbeit, Dinge, von denen man keine großen „Erschütterungen" des K. J. V., besonders der jungen Menschen, erwarten darf. Aber sie sind die notwendigen Ergänzungen einer auf Palästina gerichteten geistigen Erziehung unserer Bundesbrüder. Das eine ohne das andere wäre ergebnislos. In dieser Richtung hat sich die Arbeit des Kartells während der nächsten Jahre zu bewegen. Es ist eine Arbeit auf lange Sicht. Aber nur sie hat überhaupt Sinn, nur sie verspricht Erfolg. Die Lage des Zionismus macht es notwendig, daß wir mit einem Minimum an unproduktiven Reibungsverlusten und mit einem Maximum an Leistung arbeiten. Deshalb wirdder Kartelltag ein Präsidium zu wählen haben, dessen personelle Zusammensetzung Gewähr für kontinuierliche, sachliche Arbeit bietet. Was wir auf diesem Kartelltag am allerwenigsten gebrauchen können, sind persönliche Debatten und taktische Manöver. Die ernsthaften Zionisten im Kartell werden sie zu verhindern wissen. 24