Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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dem Blau-Weiß, diesem jüdischen Spätling der bürgerlich-romantischen deutschen Jugendbewegung, einen zionistischen Bund von größter Werbekraft und unmittelbarer Palästinaleistung zu machen. Stark genug und gut genüg dazu waren diese Menschen und war dieser Bund — trotz all ihrer Fehler, trotz all seiner Mängel. Und wenn er nichts wurde, wenn er zugrunde ging, so sind daran nicht nur Kriegsfolgen und Inflation schuld, nicht nur menschliche Unzulänglichkeiten und pädagogische Dummheiten seiner führenden Menschen, sondern in erster Linie die verhängnisvolle Politik der Z. V. f. D. und des K. J. V. gegenüber dem Blau-Weiß, der bis zum Jahre 1922 das größte Aktivum des deutschen Zionismus überhaupt — nicht war, aber sein konnte. Heute sind von diesem Bund nur noch Atome vorhanden, müde gewordene, resignierte, zionistisch passive Individuen, und ein größerer Trümmerhaufen, der jüdische Pfadfinderbund Kadimah. So also sind die jungen Generationen des deutschen Zionismus dezimiert worden. Viele hochqualifizierte Menschen sind verloren gegangen. Aber auch allzu viele — in den schwierigen Nachkriegsjahren nicht ausreichend erzogene — entziehen sich der Arbeit. Daher ist die Zahl derer, die geblieben und in die politische Arbeit des deutschen Zionismus hineingegangen sind, viel zu klein, die meisten von ihnen sind zudem mit beruflichen Sorgen viel zu sehr belastet, als daß sie der Ueberalterung des deutschen Zionismus wirksam Einhalt tun könnten, ganz zu schweigen von denen unter den politisch Tätigen, die sich mit Epigonenrollen zufrieden geben. Dieser Zustand kann geändert werden. Die K. J. V.er können ihn ändern. Wie das geschehen soll, darüber im nächsten Abschnitt. Der deutsche Zionismus ist korrupt. Der Jenaer Delegiertentag hat das wohl deutlich genug gezeigt. Das hohe Niveau der außenpolitischen Debatte kann doch wohl nur Uninformierte täuschen. Wer den Kampf um die „Macht" mit angesehen hat, wer weiß, wie um die Beteiligung jder einzelnen Gruppen am Geschäftsführenden Ausschuß gekuhhandelt worden ist, wie beinahe alle Parteien — nicht nur die, die heute in der Leitung sitzen — bereit waren, nicht ganz einwandfreie Kompromisse zu schließen, wer diesen ganzen, aus dem politischen Leben unserer Umwelt ja so wohlbekannten, parlamentarischen Kuhhandel kennt, der zweifelt nicht an der Korrumpiertheit dieser Z. V. f. D. Symptomatisch ist wohl, daß eine große Fraktion sich zur Mitarbeit in der Leitung jtiur bereit erklären wollte, wenn ihr ein bezahlter politischer Sekretärposten eingeräumt würde! Es hat keinen Sinn, sich über diese Dinge mehr oder minder heftig moralisch zu entrüsten. Auch hier stehen wir am Scheidewege. Lassen wir den deutschen Zionismus in seiner Stagnation, so wird er sich bald in einen übelduftenden Sumpf verwandelt haben. Es kommt auch hier darauf an, die Dinge zu ändern. Wo liegen die Fehler? Zunächst in den Menschen, sdie zu alt und zu routiniert geworden sind und — soweit sie seit Jahren Zionismus beruflich betreiben — durch diese nervenaufreibende Tätigkeit zu verbraucht. Sie müssen daher ersetzt werden. Es gibt aber auch Fehler im System, d. h. in der Anlage und in den Arbeitsmethoden der Z. V. f. D., die man beseitigen kann. Die Z.V.f. D. ist 16