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Der jüdische Student · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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heute kein Territorialverband, sondern, als solche, Vertretung des deutschen Zionismus als einer Kongreßpartei. Das ist ein völlig unmöglicher Zustand. Der. Differenzierungsprozeß innerhalb des Zionismus ist heute — man mag das bedauern oder nicht — so weit fortgeschritten, daß diese Art zionistischer Geschäftsführung, die vor 30 Jahren richtig war und auch vor 10 Jahren vielleicht noch der Wirklichkeit entsprach, überlebt ist. Es gibt eine Reihe konkreter, praktischer Arbeitsaufgaben, zu denen sich alle Gruppen des deutschen Zionismus zusammenfinden können und zusammenfinden müssen, weil wir an tätigen Menschen außerordentlich arm sind. Es gibt bestimmt andere Aufgaben, für die eine einheitliche Zusammenarbeit der deutschen Zionisten nicht möglich ist, die Sache der einzelnen Gruppen und Föderationen sein müssen. Alle Dinge, die im Gebiet allgemeiner zionistischer Landespolitik liegen, sind gemeinsame Aufgaben der deutschen Zionisten. Es mag etwas eigenartig klingen, in Deutschland mit seinen knapp 600 000 Juden von „zionistischer Landespolitik" zu reden, und es ist nötig, daß der Inhalt dieser ""Formel etwas näher dargestellt wird. Das zentrale Gebiet unserer Betätigung in dieser Richtung ist die Gemeindearbeit. Darunter ist nicht nur die Tätigkeit unserer Freunde innerhalb der einzelnen Gemeinden und Gemeindeverbände zu verstehen, sondern vor allem die politische Einflußnahme der Z. V. f. D. auf alle die Juden betreffenden Angelegenheiten in Deutschland, z. B. auf die Judengesetzgebung, auf das jüngst erfolgte bayerische Schächtverbot u. dgl. In den Bereich unserer Arbeit werden wir in Zukunft auch eine Betätigung einbeziehen müssen, die wir bisher mit Recht dem C.-V. und dem R. J.F. überlassen durften: den Abwehrkampf. Denn der Antisemitismus ist im heutigen Deutschland mit seinen völlig veränderten Wirtschaftsverhältnissen nicht mehr Angelegenheit eines reaktionären Klüngels, sondern breiter und ständig breiter werdender Volksschichten. Aus diesem Grunde muß er in einem anderen Stil geführt werden, als der C.-V. ihn zu führen imstande ist, nämlich politisch. Deshalb muß der deutsche Zionismus auch auf diesem Gebiet die Führung übernehmen und hier allerdings zu einer echten und legitimen „Bündnispolitik" mit den Nichtzionisten kommen. Selbstverständlich ist die Propaganda für unsere Fonds gemeinsame Aufgabe aller Zionisten und ebenso die ideelle und materielle Unterstützung aller zionistischen Institutionen von allgemeiner Bedeutung, wie der Palästinaämter, der jüdischen Schulvereine, der Chaluzfonds u. a. m. Die Trennung setzt ein auf dem Gebiete der zionistischen Propaganda, einem Gebiete also, das früher gemeinsam war. Hier hat sich ein gründlicher Differenzierungsprozeß der zionistischen Ideologie vollzogen. Man kann drei große Gruppen unterscheiden: die religiös orientierten, die sozialistisch orientierten und die schlechthin national orientierten Zionsten. Diese drei zionistischen Grundanschauungen mögen in der praktischen Politik der Kongresse nicht immer mit dieser Klarheit gegeneinander stehen, in der Propaganda, die ja rein ideologisch ist, tun: sie es ganz gewiß. So ergibt sich aus dem tatsächlichen Zustand des deutschen Zionismus im Interesse der sachlichen Arbeit und des Erfolgs die Notwendigkeit, den 17

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