Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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-^p^^f--1" --^■■^ gewalt, in die Schranken einzusperren, die dieser Generation wünschenswert und notwendig erscheinen werden. Wer heute auf das Ziel der Majoritätsbildung, der unbeschränkten Einwanderung, der unbedingten Durchsetzung unserer lebensnotwendigen Forderungen verzichtet, der wird für den Schaden an Gut und Blut verantwortlich sein, der in 10 oder 15 Jahren von einem aggressiven arabischen Nationalismus dem jüdischen Aufbauwerk zugefügt wird. Aber wer sagt uns denn, daß diese Araber notwendig nationalistisch sein müssen und sein werden, wenn wir sie nicht durch unser Verhalten im Lande dazu reizen? Mag sein, daß unser Verhalten im Lande vielfach genau so nationalistisch borniert, genau so aggressiv gewesen ist und noch ist wie das der europäischen Völker, deren imperialistische Methoden wir ablehnen. Aber selbst wenn unser Verhalten ganz anders wäre — und vielleicht kann es bei einer vernünftigen Erziehung anders werden! — so bliebe das völlig gleichgültig für das Verhalten der Araber uns gegenüber. Der arabische Nationalist kann von seinem Standpunkt aus im Zionisten nichts anderes sehen als den fremden Eindringling, der ihm sein Land wegnimmt. Und wenn wir auch allen Völkern der Erde klar machen können, daß wir nichts Unrechtes tun, indem wir unsere nationale Frage im Lande unserer Väter zu lösen versuchen, und wenn wir alle Völker davon überzeugen können, daß es unser heiliges Recht ist, unsere nationale Heimstätte in diesem Lande wieder aufzubauen, ein Volk werden wir nie davon überzeugen können: die Araber. Denn sie fühlen sich in ihrem primitivsten Besitzrecht gestört; für sie sind wir die Landfremden. Und sie werden uns so lange als Feinde behandeln, solange wir auch in Erez-Israel die Minderheit sind, das Fremdvolk unter den Eingesessenen, solange Erez-Israel auch nur ein Galuth ist, in dem man die Juden je nach Laune duldet oder inicht; Die zionistische Bewegung steht wieder einmal am Scheidewege. Wir müssen unsere beiden Möglichkeiten klar erkennen und das tun, was wir als unser Schicksal erkannt haben: das Judenvolk im Judenland vereinigenzu einer gesunden nationalen Gemeinschaft, die vielleicht einmal der Menschheit wieder etwas geben kann. Oder wir müssen das andere wählen;; den Untergang. Wer sich aber für den Aufbau und das Leben entscheidet, der wird an sich selbst von neuem große und größte Forderungen (stellen müssen. Zionismus kann nur verwirklicht werden von Menschen, die den Idealismus ihres Ziels zum Idealismus ihrer täglichen Lebensgestaltung zu machen vermögen. Zionismus kann nur verwirklicht werden von Menschen, die zionistisch arbeiten. Unsere jungen Generationen dazu erziehen, das ist die Aufgabe des Kartells jetzt und in Zukunft. Der Zionismus in Deutschland. „Und den Herrschenden wandt' ich den Rücken, als ich sah, was sie jetzt Herrschen nennen: Schachern und Markten um Macht." (Nietzsche.) Der deutsche Zionismus stagniert. Er hat weder neue Menschen, noch neue Gedanken. Das mag zum Teil in den Wirtschaftsverhältnissen be- 14