Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Kann' der Zionismus sein richtig erkanntes Ziel in Palästina verwirklichen? Das ist mehr eine Frage des Glaubens als eine Frage der Erkenntnis. Es hat noch nie eine politische Bewegung in der Welt gegeben, die auf Rationalismus begründet war. Der Kern aller Politik ist der Glaube an die eigene Kraft. Wir müssen die Judenfrage lösen oder zugrunde gehen. Und wir können sie nur in Palästina lösen. Es war kein Zufall, daß Uganda abgelehnt wurde. Auch hier hat das irrationale Moment, das Imponderabile, für die Entscheidung einer politischen Frage, einer nationalen Lebensfrage den Ausschlag gegeben. Jüdisches Volk im jüdischen Land. Nur so ist die jüdische Politik überhaupt zu machen, weil nur so dieses Volk mit seiner über die Jahrtausende lebendigen Verknüpfung zum Lande seiner Volkswerdung, zum Lande seiner kulturschöpferischen Leistung in Bewegung gesetzt, zur politischen Aktion geführt werden kann. Die Forderung der Lösung der Judenfrage in Palästina mag widersinnig erscheinen. Palästina ist ein kleines Land, Palästina ist ein armes Land. Es wohnen dort dreimal soviel Araber wie Juden, und wir dürfen die Araber nicht vertreiben. Das alles ist richtig. Und dennoch! Wenn das jüdische Volk nicht die Kraft findet, dieses „Dennoch" zu verwirklichen — ausgesprochen ist es leicht — dann wird der Zionismus nicht mehr sein und das jüdische Volk mit ihm. Es gibt ein Mandatsgebiet — seine Grenzen reichen weit über den Jordan hinaus — und in diesem Mandatsgebiet können viele Millionen, nicht 15, aber vielleicht 6 oder 7 wohnen. Bis wir dieses Ziel erreicht haben, wird einige Zeit verflossen sein, und wie es dann um die übrigen Juden in der Welt bestellt sein wird, was mit ihnen dann zu geschehen hat, wie der Weg der zionistischen Politik dann zu gehen hat, das ist die Sache der Generation, die in jener Zeit für die Geschicke ihres Volks verantwortlich ist. Man kann nicht Politik machen oder machen wollen auf Jahrhunderte hinaus. Aber diese 6 oder 7 Millionen Juden müssen ins Land kommen, und sie müssen bald kommen. Die Zeit arbeitet gegen uns. Das Fortschreiten der kapitalistischen Entwicklung hat die Ideologie der orientalischen Völker schon gewaltig zu verändern begonnen. Der Nationalismus der modernen Türkei zeigt uns, wohin die politische Entwicklung der Völker Vorderasiens geht. Wenn auch die Araber weder in Palästina, noch in dem politisch schon viel mehr europäisierten Aegypten bereits als Massen jenen Status moderner nationaler Entwicklung erreicht haben, an den uns manche zionistischen Journalisten glauben machen wollen, so wird doch die Entwicklung in dieser Richtung ihr Tempo immer mehr* beschleunigen. Und was dann? Ich glaube, der entscheidende Fehler unserer Verständigungspolitiker wird an nichts deutlicher demonstriert als gerade an diesem Faktor unserer Außenpolitik. Wenn es uns nicht heute und nicht innerhalb der 10 oder 15 Jahre, binnen deren Palästina noch im Stil des Mandatssystems verwaltet werden kann, gelingt, die Mehrheit im Lande zu bekommen, dann wird auch in Palästina und Syrien eine Arabergeneration herangewachsen sein, erfüllt mit dem aggressiven Nationalismus aller erwachenden Völker unserer Zeit, die sich nicht scheuen wird, das jüdische Siedlungswerk, notfalls mit Waffen- 2*