Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ziehungsarbeit freilich ist das meiste noch zu leisten, wenn es sich hierbei auch um eine endliche Aufgabe handelt, die nicht in Jahresfristen zu lösen ist Stärkere Fortschritte machte die Belebung des zionistischen und Kartellinteresses der Alten Herren. Manche, die uns vor Jahren verlassen hatten, traten wieder in das Kartell ein. Gut besuchte Veranstaltungen von Altherrenbünden und Bezirksverbänden brachten Erörterungen grundsätzlicher und aktueller Fragen. Mancher nahm, hier angeregt, auch an der allgemeinen zionistischen Arbeit neues und stärkeres Interesse. Freilich ist bis zur Erfassung der gesamten Altherrenschaft und bis zur Erfüllung auch nur der wesentlichen zionistischen Pflichten durch die Alten Herren noch ein weiter Weg. Das Berufsressort wurde in zunehmendem Maße in Anspruch genommen. In nicht wenigen Fällen glückte die Vermittlung von Berufs- und Lebensstellungen, so daß auch außerhalb unserer Reihen stehende Zionisten sich vielfach an uns wandten. In einzelnen Fällen gelang es, Bundesbrüder, die sich finanziell in schwerer Lage befanden, durch Vermittlung privater Hilfe zu unterstützen. Die Gründung der Kreditgenossenschaft Jüdischer Akademiker, an deren Zustandekommen dem Bezirksverband Mitteldeutschland das wesentliche Verdienst zufällt, wird dem Kartelltag zur Genehmigung vorliegen. Diese Genossenschaft soll das Instrument zu der immer dringlicher werdenden systematischen Wirtschaftshilfe werden. Wirtschaftshilfe war auch die sichtbarste Form, in der sich die Verbundenheit des Kartells mit den Bundesbrüdern in Palästina äußerte. Als sich Bundesbrüder von drüben immer dringlicher in ihren durch die Unruhen verursachten Nöten an uns wandten, entschloß sich das Präsidium zur Begründung eines Palästinakreditfonds, der, mit bisher etwa 7000 M., wirkliche Hilfe leisten konnte, lieber diesen Fonds, dessen Genehmigung gleichfalls auf dem Kartelltag beantragt werden wird, wird in einem besonderen Bericht näheres mitgeteilt werden. Die Verwaltung dieses Fonds obliegt der endlich geschaffenen Organisation der K. J.V.er in Palästina, dem im Frühjahr 1929 nach vielfachen Bemühungen begründeten Landesverband Erez-Israel. Auch hier galt es, große Widerstände zu überwinden, da ja die Gegensätzlichkeit in den Auffassungen der einzelnen Bundesbrüder sich in Erez-Israel nicht nur theoretisch, sondern viel stärker praktisch auswirkt als etwa in Deutschland. Das regelmäßige Erscheinen des J.St. wurde trotz der starken damit verbundenen finanziellen Belastung fortgesetzt. Einen großen Raum nehmen die Ereignisse in Palästina und die damit zusammenhängenden Fragen ein, so daß von der Herausgabe einer besonderen Palästinanummer, wie sie zum 9. Kartelltag erschien, diesmal abgesehen ist. Daneben gab die Arbeitskommission Berlin 14tägig die sogenannten A. K. B.-Blätter heraus, die fortlaufend über die Veranstaltungen der Berliner Verbindungen, Stellungsangebote u. dgl. unterrichteten. Vorübergehend wurden während der Unruhen in Palästina vom Präsidium besondere Mitteilungsblätter an die auswärtigen Kartellorganisationen geschickt, in denen die jeweils eingelaufenen, meist privaten neuesten Nachrichten aus Palästina weitergeleitet wurden. l* 5