Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Zum Kartelltag. Ein schweres zionistisches Jahr liegt hinter uns; vielmehr: der 10. Kartelltag fällt noch ganz in eine Situation von besonderer Schwierigkeit für alle zionistischen Belange. Die Auswirkungen der Gründung der Agency sowie der blutigen Unruhen in Palästina lassen sich noch nicht übersehen. Die Zionistische Organisation als solche sowie das Aufbauwerk in Erez-Israel stehen vor entscheidenden Entwicklungen. Es ist nur natürlich, daß Menschen eines rein zionistischen Verbandes, wie das K. J. V., an diesen Dingen leidenschaftlich Anteil genommen haben und nehmen. Die großen Versammlungen, die das Präsidium in Berlin veranstaltete, waren von Hunderten von Bundesbrüdern besucht und zeigten erneut, wie sehr alles, was den Jischuw und die zionistische Bewegung betrifft, von den K. J. V.ern als eigene und persönliche Sache empfunden wird. Und es ist weiter natürlich, daß diese leidenschaftliche Anteilnahme gerade bei denen stärksten Ausdruck gefunden hat, die am stärksten mit der zionistischen Arbeit verbunden sind. Alles, was in diesen schweren Monatengetan, gesagt und geschrieben wurde, ist letzten Endes als Ausdruck dieser Teilnahme zu verstehen und zu werten. Bei aller Gegensätzlichkeit, in der sich K. J. V.er als Angehörige verschiedener zionistischer Parteigruppen, so auf dem Delegiertentag, gegenüberstanden und noch gegenüberstehen, ist die Einheit des Kartells — eines darin einzigartigen zionistischen Bundes — unangetastet geblieben. In diesem Kartelljahr haben sich die Bundesbrüder aus dem Bund Zionistischer Korporationen, Alte Herren und Aktive, reibungslos in den größeren Verband des K. J. V. eingegliedert, ein Beweis, wie gleichartig die Partner der noch vor Jahresfrist so umkämpften Vereinigung schon vorher waren. Das geeinte Kartell hatte bedeutende Werbeerfolge. 147 junge Bundesbrüder wurden neu in unsere Reihen aufgenommen. Bedenkt man, daß die Gewinnung junger jüdischer Menschen, vor allem der Studierenden, eine Hauptaufgabe des Kartells ist, so darf dieses Ergebnis nicht gering eingeschätzt werden. In diesem Jahr wurde über die Gewinnung Einzelner hinaus wieder eine neue Gesamtposition des K. J.V. geschaffen: mit der Gründung der Verbindung in Leipzig, die sich gut entwickelt und deren Bestand schon jetzt durchaus gesichert erscheint. Freilich waren Ausgestaltung und Ergebnis der Erziehungsarbeit keineswegs befriedigend. Zu gering ist die Zahl derjenigen Aktiven und Inaktiven, die ihre natürliche Aufgabe, auf die neu gewonnenen jungen Menschen richtunggebend einzuwirken, erfüllen können. Zu viel wird überall in den Verbindungen, auch für spezifische Aufgaben der Verbindungsarbeit, von den Alten Herren erwartet. Dabei wird nicht verkannt, daß die Bemühungen des Präsidiums auf dem Gebiet der Erziehungsarbeit gleichfalls ohne sichtbare Erfolge geblieben sind. Immerhin macht die hebräische Arbeit an manchen Stellen bemerkenswerte Fortschritte. Auf dem Gebiet der Er- 4