Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 10 (Dezember 1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537802-3537811--7380-3545422- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
lichkeit zu werden, ist er auf dem besten Wege, die Möglichkeit dazu zu verlieren. So ist es auch mit Volk und Kultur." Sehr leicht läßt sich das auf die Frage des geistigen Zentrums übertragen. Wir können es wohl erhoffen, als Punkt eines Programms, gar eines politischen, bleibt es indiskutabel. Lassen wir uns von einer aufgeputschten Menge nicht die politische Linie unserer Bewegung korrigieren! Unser Kardinalfehler bei der arabischen Frage lag im Nichtstun, nicht im Fehlen einer Verhandlungsbereitschaft oder gar in Brüskierungen. Damit ist auch der Weg gezeigt, höchste Aktivität an allen Stellen, selbstverständlich zentral geleitet. Aber Frieden schließen synonym mit Konzessionsbereitschaft? Vorerst Abbau unserer Forderungen, Reduzierungen unserer friedfertigen Pläne aus Rücksicht auf angeblich geschädigte arabische Interessen? Mir scheint, nicht dies ist der Weg der Verständigung. Brüh 28. Bbr. Wunderlich hielt während seiner Anwesenheit in Berlin im Kreise des Altherrenbundes der Hasmonaea einen Vortrag, in welchem er seine Anschauungen über die Lage in Erez-Israel entwickelte. Am Schlüsse seines Vortrages teilte Bbr. Wunderlich mit, daß in einem Jahre in den* drei Städten Eres-Israels Logen mit dem Namen Brith 28 gegründet sind. Um die Bundesbrüder kurz über diese Männerbünde zu orientieren, verlas er folgende Ansprache, die er vor einiger Zeit als derzeitiger Leiter des Jerusalemer Bundes gehalten hat. Liebe Brüder! Es ist ein trauriges Zeichen unseres Geschlechts, daß wir zueinander in einer Sprache sprechen, welche nicht unsere Muttersprache ist. Wir haben die hebräische Sprache aus Gründen des Verstandes wählen müssen und sie wird in unserem Geschlecht immer nur die Sprache notdürftiger Verständigung sein, sie kann uns nie geben, was eine Muttersprache gibt: die restlose Verständigung von Mensch zu Mensch, welche sich gerade auf Kenntnis der feinen Nuancen einer Sprache begründet. Eine Muttersprache ist ein tiefer Strom, in den zahlreiche Nebenflüsse münden, welche Jahrtausende altes Volksgut mit sich führen. Wir müssen uns leider damit begnügen, miteinander nur in einer Verständigungssprache zu sprechen. Die Notwendigkeit der hebräischen Sprache in unserem Kreis steht außerhalb jeder Debatte. Man könnte, von dieser Seite aus gesehen, unsere Bestrebungen dahin formulieren, daß wir für unsere Enkel die gemeinsame Muttersprache schaffen und damit erst die notwendige innere Verbundenheit. Dies vorausgeschickt, möchte ich Ihnen kurz in programmatischer Form Zweck und Ziel unseres Bundes entwickeln, wie ich ihn mir vorstelle. Aus vieler Herren Länder sind wir in das Land unserer Väter heimgekehrt, geleitet durch den Willen zum Judenstaat wie ihn Theodor Herzl nach vielen Jahrhunderten zum erstenmal wieder in politisch prägnanter Form zum Ausdruck gebracht hat. Wir gehören dem Bürgerstand des werdenden jüdischen Gemeinwesens an. Aus der breiten Masse des Bürger- 40