Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 10 (Dezember 1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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anderen Lande, aus dem er kam, ein genau so unbeliebter Konkurrent gewesen ist, so wie es jedem Juden in jedem Lande geht. In dem Augenblick, wo wir mit der Kolonisation in Palästina als Volk in die Welt der Wirklichkeit traten, beschworen wir alle Konflikte des lebendigen Seins herauf. Wir haben nicht die Absicht, rigoros und brutal uns über entstehende Hindernisse und entgegenstellende Menschengruppen hinwegzusetzen, wir dürfen aber auch nicht unsere Existenz vor anderen dauernd schwächlich entschuldigen und unsere leibliche Gegenwart als notwendiges Uebel im Lande erklären. Das Gegenteil, bei jeder Gelegenheit ein Geschrei um das bedrohte nationale Prestige zu erheben, ist allerdings in unserer Lage noch unvorteilhafter. Mit Prestigeansprüchen fangen die meisten Dummheiten in der Geschichte an, und der Fall der Klagemauer dürfte uns eine hinreichende Warnung sein. Samburski hat recht, die Politik der starken Hand, genauer des großen Mundes, ist verfehlt, mindestens ebenso falsch scheint mir die Untersuchung,, was können wir den Arabern zur Beschwichtigung ihrer mißtrauischen verhetzten Gemüter bieten. Eine Verständigung muß. selbstverständlich ohne Versailles und ohne Brest-Litowsk erfolgen, aber sie kann nur mit den der Vernunft zugänglichen arabischen Kreisen, nicht mit den arabischen Hakenkreuzlern erfolgen. Genau so wenig, wie wir in Europa mit diesen Gruppen paktieren — Jabotinsky stolperte als Exekutivmitglied mit Recht über die Petljura-Affäre — darf es in Palästina geschehen, und wir müssen uns unter ihrer Ausschaltung an die breite Mittelschicht, die immer nur zeitweilig aufgewiegelt sein kann, wenden. Mir scheint, die gemeinsamen Sorgen im Lande eher, als englische Vermittlung, werden bei unserem stets zu bekundenden guten Willen uns an einen Verhandlungstisch zwingen. In diesen Fragen fühle ich mich nicht kompetent genug, um mehr als subjektive Meinungen zu äußern. Am wahrscheinlichsten wird sich die Praxis, sowie es Arlosoroff in seinem oben genannten Artikel darstellt, an eine Taktik von Fall zu Fall halten. Aber die Frage der politischen Taktik ist ja nicht das Wesentliche, sondern die Tendenz, die in dem von Sambursky behandelten Programm der Brith-Schalom zum Ausdruck kommt. Seine Minimalforderungen sind minimal in jedem Sinne. Man erstrebt ein Minimum, das die Autonomie des Zentrums sicherstellt. Das Maximum, das das Land unter Berücksichtigung seiner Einwohner fassen kann, interessiert nicht mehr. Im Geiste Achad Haams löst man die Judenfrage, indem man das Judentum in einem autonomen Zentrum vor dem drohenden Untergang bewahrt und fortentwickelt, während die politischen und ökonomischen Nöte der Judenheit unberücksichtigt bleiben. Es ist mißlich, sich gegen das Ziel des geistigen Zentrums zu stellen. Das Ziel des Zionismus bleibt ja ein gesundes Gemeinwesen, dessen kultureller Inhalt seinen Wert bestimmen und das zum geistigen Mittelpunkt für die Juden der Welt werden soll. Ein Gemeinwesen können wir bauen, dafür gibt es klare Richtlinien, ein geistiges Zentrum hoffen wir damit zu schaffen. Gibt es dafür eine Gewißheit? Buber sagte in den Schlußsätzen seines Referats auf der Gründungskonferenz der Liga für das arbeitende Palästina: „Kultur ist kein Programm, ebensowenig wie etwa Persönlichkeit ein Programm ist. Wenn ein Mensch sich vornimmt, eine Personal