Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 10 (Dezember 1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Araber das Wort. Es ist nur zu begrüßen, wenn man in die Politik ethische Begriffe einführt, und der Anfang muß selbstverständlich bei sich selbst gemacht werden. Gerade im Sinne dieser besseren Politik liegt es, daß die Völker füreinander Verständnis bekommen. Warum sollte das arabische Volk nicht auch von der Not unserer Nation überzeugt werden, wo es doch bei der übrigen im Völkerbund vertretenen Welt gelungen ist? Unsere Hauptwaffe im politischen Kampfe war bisher der Appell an das Gewissen der Völker, die sittliche Kraft unserer nationalen Forderungen. Warum zweifelt man bei der arabischen Politik daran? Traut man den Arabern nicht dieses sittliche Empfinden zu? Muß man den Arabern Forderungen zubilligen, die* unter Berücksichtigung unserer Gesamtlage, der Bedingung des Landes und den Möglichkeiten seiner Entwicklung schreiendes Unrecht bedeuten? Man macht Zugeständnisse, ohne den sittlichen Willen des Gegenparts zu prüfen. Man schützt in diesen Fällen realpolitische Erwägungen vor. Es ist sicher, daß das jüdische Nationalheim für die Araber eine bittere Pille bedeutet. Wird sie wirklich durch dies Entgegenkommen versüßt? Die bisherigen Erfahrungen reden eine deutliche Sprache. Typisch für diese Art Entgegenkommen ist die Behandlung der Frage unserer Anzahl im Lande. Man schreckt vor dem Wort Majorität zurück — geradezu grotesk schreibt Ernst Lewy in seinem sonst ganz anders gehaltenen Artikel von 45% (!), selbst 50% sind heute schon ominiös — und betont nun zur Beruhigung aller Gemüter das Ausreichende einer Minorität. Man kann doch in seiner Politik die Unverletzlichkeit der arabischen Rechte besonders unterstreichen und brauchte trotzdem nicht in übertriebener Rücksichtnahme die eigenen lebensnotwendigen Rechte zu opfern. Wir erstreben keinerlei Oberhoheit über die palästinensischen Araber, müssen aber unsere Einwanderung — ä la longue — nicht gesehen von unseren heutigen schmalen Mitteln — auf die Not unseres Volkes abstellen, werden also unmöglich aus falschen ethischen Voraussetzungen heraus nicht über 50 % hinaus wachsen, wenn es die Lage der Juden anders erforderlich macht. Die falsche ideologische Verquickung von Majorität mit Majorisierung führt nur zu dieser xVlinimalpolitik, und hier hätte unsere nationale Ethik sich zu bewähren und zu beweisen, daß die numerische Ueberzahl nicht zwangsläufig zur Unterdrückung der Minderheit führt. Falls die Araber, was heute lächerlich klingt, eine Majorisierung durch uns befürchten, so kann man ihre Eigenrechte in weitestgehendem Maße durch entsprechende Festlegungen sichern. Sich deshalb aber in seiner einmal zu erreichenden Einwanderungsziffer beschränken zu lassen, heißt keine Rücksicht auf unseren Willen zum Frieden und zu gedeihlichem Zusammenarbeiten nehmen und den Wert des national-home illusorisch machen. Wir haben durch unsere eigenen Mittel, die wirtschaftliche Lage des Landes und viele andere Bedingungen sowieso Fesseln genug, als daß wir ins Uferlose wachsen könnten. Man könnte nun meinen, daß es sich ja bei diesen Fragen nur um die gebotene politische Klugheit, um die einzuschlagende Taktik nandle. Samburskys Ausführungen sprechen eine andere Sprache, seine Forderungen decken andere Hintergründe auf. Als einzigen Sinn unserer Bewegung mit Aussicht auf Verwirklichung läßt er das Streben nach einem geistigen Zentrum gelten, das „zur Sicherung seiner Existenz lediglich der Garantie 37