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Der jüdische Student · 1929-12-01 · Heft 10 (Dezember 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 10 (Dezember 1929)
Date
1929-12-01
Page
[Seite] (sequence 36)
Language
German
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Zersplitterung sehen und nur eine ganz kleine reaktionär-radikale Gruppe als Uebeltäter gelten lassen. Bemerkenswert ist, daß überzeugend stichhaltige Gründe für irgendeine Meinung von keiner Seite aus gebracht werden, so daß eigentlich nur feststeht, daß die extreme Gruppe des Muftis und seiner Getreuen die unmittelbaren Brandstifter waren. Wer ihnen den Rücken stärkt und mit welch größeren tatsächlichen Kräften wir zu rechnen haben, steht noch dahin. Aus diesem wie aus jenem Grunde, weil wir den genauen Gegenspieler noch nicht kennen, und weil wir noch zu stark unter den letzten Eindrücken stehen, muß man Arlosoroff in seinen Ausführungen in Nr. 87 der „Jüdischen Rundschau" recht geben. „Es ist heute nicht der Tag, mit Programmen zu kommen/' Was er aber dort befürchtet, ist bei uns bereits eingetreten, und der letzte „J. St." zeigt „panische Programme von Krieg oder Frieden" (Arlosoroff). Bevor ich hier auf das von Sambursky in seinem Artikel vertretene Programm, das in den meisten und wesentlichsten Punkten mit dem von Brith Schalom übereinstimmt, eingehe, möchte ich, um Mißdeutungen zu entgehen, betonen, daß ich mich sehr energisch gegen diese Ausführungen kehre, mir deshalb aber nicht weniger ehrliche Verhandlungsbereitschaft und Willen zum Frieden attestieren zu lassen gedenke. Brith Schalom versteht es mit bewundernswerter Fähigkeit, sich überall unpopulär zu machen, und selbst bei den Arabern fanden ihre Friedensbotschaften wenig Gegenliebe. Brith Schalom selbst wird ja an der Popularität weniger liegen, da sie die Politik und das Tagesgeschehen von einer höheren Warte aus betrachtet, aber ihr Grundfehler, ihre beinahe betonte Lebensferne, ist damit gekennzeichnet. Daß man nicht jedem zu Munde redet, kann von Vorteil sein, daß man an die Politik mit einer seltenen ethischen Einstellung herangeht, braucht wahrhaftig kein Fehler zu sein, und trotzdem begeht Brith Schalom dabei grundsätzliche Fehler. Beiden liegt ein Gemeinsames zugrunde: die übertriebene Rücksicht auf die Araber zum Schaden unseres Volkes. Man kommt den Forderungen der arabisch-nationalen (nationalistischen?) Bewegung entgegen und macht sich dabei durch Hervorrufung von Mißverständnissen im eigenen Lager reichlich unbeliebt. Die unglückselige Formel vom binationalen Staat trifft das Richtige der Tatsache, daß in Palästina zwei Nationen wohnen, wohnen werden und sollen, und sagt doch dem eigenen Volke von dem Wichtigeren, wirklich Großen, der einzigen Nationalen Heimstätte auf dieser Welt, nichts. Für das arabische Volk mit seinem Riesenterritorium ist Palästina eine Provinz, für uns alles. Für die palästinensischen Araber ist Palästina ihr Wohnsitz, ihr Land, aber keineswegs das Heim ihrer Nation, ihre Rechte als Nation auch in Palästina will keiner beschneiden, am wenigsten unser Volk, das nach Jahrtausenden der Zerstreuung und der Wanderung eine Ruhestatt, ein Land mit Heimatsrecht sucht. Die Sonderart dieses Heims für uns fällt bloß bei der kargen und daher schiefen Formel vom binationalen Staat unter den Tisch, das macht sie weiten Kreisen so unsympathisch. Zurzeit krankt auch die ethische Grundlage der Brith- Schalom-Politik an dieser zu tiefen Ehrfurcht vor dem arabischen Empfinden. Man mißt mit zweierlei Maß, verlangt von uns den höchsten Grad der Selbstentsagung und redet auf der anderen Seite jedem nationalistischen 36

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