Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 10 (Dezember 1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Leben der Gegenwart, ist aktives Auflehnen gegen den scheinbar beschlossenen Untergang des Judentums, gegen Verfall und Ausartung. Der Zionismus gibt dem jüdischen Leben ein objektives Ziel, an dem mansich zu messen und zu bewähren hat und bringt so in die schwankende und unbestimmte Skala jüdischer Werte einen eindeutigen Maßstab. Die Lethargie und Apathie im Judentum war eine Folge seiner Funktionslosigkeit. Leid als solches kann von keinem Volk auf die Dauer als konstituierendes Moment empfunden werden. Dem Leiden muß eine aktive Anspannung entgegengesetzt werden. Die Beteiligung am Palästinaaufbau, der Dienst an einem großen zentralen Werk ist ein lebenssteigerndes Moment. Der Einwand, daß der Palästinaaufbau eine Aufgabe sei, die außerhalb des deutschen Judentums liegt, geht von einer zu mechanischen Auffassung der Judenfrage aus. Wenn das Judentum sich selbst in einer großen gewaltigen Anstrengung zu sammeln versucht, seine besten Kräfte, Menschen und Gedanken in das werdende Palästina ergießt, tut es damit so viel „für sich", wie es in seiner gegenwärtigen Situation überhaupt zu tun vermag: es gibt dem Juden seine neue Heimat, es sichert die Kontinuität der jüdischen Entwicklung und erfüllt damit seine geschichtliche Aufgabe. Wer die Agency-Tagung in Zürich miterlebte, spürte, daß heute schon Palästina mehr als irgendein Faktor sonst für das Judentum, auch für das deutsche, geleistet hat und mehr für die Juden geleistet hat, als die Juden für Palästina: Palästina hat den Juden die so lange entbehrte Einheit, ein gemeinsames Ziel, eine gemeinsame Hoffnung, einen neuen Enthusiasmus geschenkt. In Palästina entsteht dem Judentum ein neues „Sein", das es überall in der Welt sonst entbehrt oder zu verlieren im Begriff ist. Erneuerung des Judentums in Palästina und durch Palästina, das scheint uns die Losung zu sein, mit der eine junge Generation in die Agency hineingehen sollte, weil nur aus diesem Geiste heraus Palästina gebaut werden kann. Hilfe durch Abbau? Von Irvin L. Fisher, A. H. d. Sp.-V. J. St. Tief erschüttert stehen wir noch unter dem Eindruck der Unruhen in Palästina. Die Friedfertigkeit unserer Bewegung fand in dem seit 1921 herrschenden Frieden des Landes ihr beweiskräftigstes Argument, um so schmerzlicher traf uns der brutale Ausbruch niedrigster Instinkte, diese plötzlich aktiv gewordene arabisch-nationalistische Hetze, gegen die unsere stärksten Waffen, Wille zur Verständigung und Bereitschaft zur Zusammenarbeit, versagen. Bei der Suche nach den tieferen Ursachen tappt man noch vorläufig im Dunkeln. Auch aus den Artikeln der palästinensischen und der nichtpalästinensischen Kenner der Lage tritt eine ziemliche Unklarheit und Rätselraterei zutage. Die einen sehen im Mufti und in den anderen Drahtziehern der Unruhen die Vorposten der panislamischen Bewegung, andere engen es auf die panarabische Bewegung ein, wieder andere glauben lediglich an eine palästinensisch-arabische Zentrale, und nicht zu vergessen sind die gewichtigen Stimmen, die selbst im palästinensischen Arabertum eine starke 35