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Der jüdische Student · 1929-12-01 · Heft 10 (Dezember 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 10 (Dezember 1929)
Date
1929-12-01
Page
[Seite] (sequence 32)
Language
German
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lange es eine Urkraft gibt, die Zionismus erzeugt, die Palästina aufbaut. Die Kräfte des Judentums in Richtung auf Palästina müssen gerade angesichts der jetzigen Konstellation vervielfacht, verzehnfacht werden. Dieses „Alles auf eine Karte setzen" des Zionismus scheint uns fast der einzige Ausweg, um all den ungeheuren Schwierigkeiten zu begegnen. Noch zehren wir von der zionistischen Kraft früherer Generationen. Die kommende Generation darf nicht nur „palästina-freundlich" sein, sie muß „palästinafanatisch" werden. Nicht Mitarbeiter müssen wir gewinnen, sondern Pioniere, wenn wir unsere Ansprüche auf Palästina dauernd vor der Welt und uns selbst rechtfertigen wollen, wenn wir Palästina wirklich aufbauen wollen. IL „Palästina wird gebaut werden" — war das Motto der Agency in Zürich. Wir können noch hinzufügen, „weil es gebaut werden muß" um der Erhaltung und Erneuerung des Judentums willen. Bei diesem „Muß" scheiden sich vielleicht heute die Geister. Nur aus der Einstellung des Muß heraus kann aber Palästina gebaut werden. Unsere nichtzionistischen Freunde stellen unserer „Galuthverneinung" ihre „Galuthbejahung" entgegen. Mit welchem Recht? Richtig ist, daß in der Ideologie des Zionismus die Kritik an den Erscheinungsformen des Galuthjudentums eine zentrale Rolle einnimmt, daß den jüdischen Verfallserscheinungen der Galuth die Entwicklungsmöglichkeiten in Palästina entgegengestellt werden. Richtig ist aber auch, daß das Vorkriegsjudentum des Ostens gerade aus der Fülle seines jüdischen Seins zum Zionismus kam und nicht aus der Leere, daß dieses Vorkriegsjudentum des Ostens jüdisch so erfüllt war, wie es das westliche Judentum unter den besten Voraussetzungen nicht mehr werden wird und daß dieses Ostjudentum trotzdem Zionismus brauchte und Träger der Bewegung wurde. Richtig ist ferner, daß dieser selbe Zionismus, den man wegen seiner negativen Haltung zum Galuthjudentum glaubt ablehnen zu müssen, bisher überall der entscheidende Faktor in der Entwicklung des Galuthjudentums geworden und bis heute geblieben ist, daß seine Arbeit keine Verarmung dieses Galuthjudentums bedeutete, sondern sein stärkster Antrieb wurde. Niemals hat ein wohlverstandener Zionismus jemanden dazu verführt, sich an der Arbeit im Galuth desinteressiert zu zeigen. Wenn darauf hingewiesen wird, daß die These von der grundsätzlichen Unfruchtbarkeit der jüdischen Galuth schon darum unmöglich sein müsse, weil die Entwicklung des Judentums immer von „Galuthzentrera ihren stärksten Antrieb erfahren" habe, so liegt dem doch ein kaum faßbarer Irrtum zugrunde. Der Zionismus in seiner heutigen Gestalt ist doch entstanden als Reaktion auf die Lebens- und Erscheinungsformen des emanzipierten und assimilierten Judentums, ist entstanden aus der Einsicht, daß in diesen Formen eine Fortsetzung und Erneuerung des jüdischen Lebens undenkbar sei. Das Judentum der Voremanzipationszeit war im ganzen Verlauf seiner Geschichte kulturell und sozial gebunden und von seiner Umwelt differenziert. Es war in seinem Sein und Denken entscheidend durch sein Judentum bestimmt. Religiöse Entscheidunigen und Lebensformen waren in dieser Zeit entscheidende Kriterien für Gruppen 32

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