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Der jüdische Student · 1929-12-01 · Heft 10 (Dezember 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 10 (Dezember 1929)
Date
1929-12-01
Page
[Seite] (sequence 31)
Language
German
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logischen Differenzen verzichten würden. Herr Hirsch formulierte dort sehr klar: „Der Zionist sieht in Palästina seine jüdische und menschliche Hauptaufgabe, der Nichtzionist sieht in der Mitarbeit an Palästina eine seiner Aufgaben; eine wichtige und wertvolle, aber nicht d i e Aufgabe. Der Zionismus glaubt, daß Erez-Israel d i e Lösung der Judenfrage sei. W i r glauben, daß der Aufbau Palästinas einer der Wege zur Erhaltung und Entfaltung des Judentums ist. Der Zionist sieht in Palästina den Mittelpunkt des Judentums in kultureller oder in religiöser und jedenfalls in politischer Hinsicht. Wir deutschen Juden sehen den Mittelpunkt unseres politischen und kulturellen Lebens in Deutschland; Deutschland ist uns nicht Galuth, sondern Heimat, und wir wollen, daß auch unsere Kinder und Kindeskinder in Deutschland ihre Heimat behalten." Die Aeußerungen von Gerson und Hirsch verdienen, sehr ernst genommen zu werden. Es sind nicht zufällige oder isolierte Meinungen, sondern so denkt heute der überwiegende Teil der in der Agency organisierten nichtzionistischen Jugend. Diese Jugend ist anders als die antizionistische oder azionistische Jugend des Vorkriegsjudentums. Sie gefällt sich nicht mehr in selbstgefälliger, gedankenloser Deutschtümelei, sie steht nicht mehr uninteressiert beiseite, und sie erklärt, daß sie aus Verantwortungsgefühl gegenüber der jüdischen Gesamtheit dem „lockenden Wunschbild" des Zionismus nicht nachzugeben vermag. (Hermann Gerson.) Bei allem Bemühen, sich von uns zu distanzieren, arbeiten die Führer dieser Jugend am Palästinaaufbau nach besten Kräften mit, erklären sich solidarisch im Kampfe gegen unsere Gegner innerhalb und außerhalb des Judentums (wie einmütig lehnte diese deutsch-jüdische, nichtzionistische Jugend die „Erklärung deutscher Juden ab".) Diese Jugend müssen wir für den Zionismus erobern. Trotz aller Palästinanähe, trotz Anteilnahme an Jewish Agency, trotz Absage von der Ideologie des liberalen Assimilationsjudentums scheint uns der Kampf um diese Generation schwerer denn je. Es liegt nahe, daß einer so denkenden und handelnden Jugend schwerer klarzumachen ist, warum sie den letzten Schritt tun muß, warum sie die Sicherung nach allen Seiten aufgeben und sich dem „Eins tut not" des Zionismus hingeben soll. Und doch muß der Kampf mit dieser Jugend auch innerhalb der Agency geführt werden. Die zionistische Offensive darf vor den Partnern in der Agency nicht halt machen. Um des Zieles der Agency, d. h. um der Errichtung unseres Nationalen Heimes in Palästina willen muß der zionistische Kampf fortgeführt werden, müssen dauernd neue Menschen dem organisierten Zionismus zugeführt werden. Wir können die Konzeption dieser nichtzionistischen Jugend, ihren Versuch, den Palästina-Aufbau mit anderen jüdischen Erneuerungsbestrebungen zu koordinieren, nicht anerkennen, weil diese Vorstellung unserer Meinung nach von nicht zutreffenden Voraussetzungen ausgeht (s. Teil II). Aber abgesehen von der Anfechtbarkeit dieses Systems, glauben wir, daß aus einer solchen Vorstellungswelt, wie wir sie bei Gerson und Hirsch finden, im besten Falle immer nur „Mitarbeiter" kommen werden, immer nur „Freunde", immer nur „Nichtzionisten". Nichtzionisten kann es aber nur solange geben, solange es Zionisten, Mitarbeiter, solange es Vorarbeiter gibt, Sympathisierende, so- 31

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