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Der jüdische Student · 1929-12-01 · Heft 10 (Dezember 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 10 (Dezember 1929)
Date
1929-12-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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Presse steht. Die Kenntnis des jüdischen Volkes, so wie es heute ist, und die Eingliederung jedes Einzelnen muß bei uns gefördert werden. Eine scharfe Trennung zwischen Füchsen und Burschen dürfte es nicht geben, es muß ein Hinüberleben werden. Im Hebräischen sollte man sich nicht mit dem Altherren-Examen begnügen, sondern von Zeit zu Zeit Stichproben machen, um festzustellen, wie weit der Einzelne gekommen ist. Es muß erreicht werden, daß jeder Bundesbruder imstande ist, die hebräische Presse zu lesen. Auch zu den Fragen müssen wir Stellung nehmen, die heute nicht inhaltlich in den Bereich des Zionismus hineinfallen. Wir müssen wieder dazu kommen, den Zionismus ernst zu nehmen, aus dem Zionismus wieder eine revolutionäre Idee zu machen. Bbr. C a p e 11: Man kann nicht über Fuchsen- und Burschenerziehung sprechen, wenn man sich vorher kein Bild von der Gestaltung des Verbindungslebens gemacht hat, und wenn man nicht weiß, weshalb man Füchse und Burschen erziehen soll. — Wenn man über die Frage unserer Erziehung spricht, muß man mit Kritik beginnen. In unseren Kreisen leben nicht diejenigen Menschen, die man interessiert und bewegt nennen könnte, die man zum politischen Typ rechnen könnte. Voraussetzung für eine gedeihliche erzieherische Arbeit ist der Geist, der in der Verbindung herrscht, die lebendige Verbundenheit mit den zionistischen Fragen, mit dem K. J. V., und der Glaube an das K. J. V., aus dem heraus dann auch der Wille zur Selbsterziehung entsteht und der Wille zur zionistischen Betätigung. Jetzt erfassen wir nur eine Seite unserer Menschen, die intellektuelle, und die auch nicht ganz. Im Gegensatz zu Bbr. Mayer scheint es mir außerordentlich wesentlich, den Zionismus abzuleiten als Erscheinungsform der modernen europäischen geistigen Entwicklung. Die Erfassung des Zionismus setzt voraus die Erfassung des europäischen Wesens und der europäischen Bildung. Diese Zusammenhänge ermöglichen den Bundesbrüdern Auseinandersetzungen mit anderen Gruppierungen. Wir müssen Versuche machen, die politische Schulung der Bundesbrüder auf andere Grundlagen zu stellen. Wichtig wären Veranstaltungen innerhalb der Verbindung nach Art der englischen „Debating Clubs", in welchen Bundesbrüder beauftragt werden, bestimmte Ansichten über bestimmte Gegenstände nach gründlicher Vorbereitung zu vertreten. Bbr. Carl Nathan: Ich habe den Eindruck, daß das, was hier gesagt wird, nicht Rücksicht nimmt auf das, was tatsächlich im Kartell da ist. Man darf nicht von der Voraussetzung ausgehen, daß unsere jüngeren Bundesbrüder im wesentlichen Intellektuelle mit einem anständigen geistigen Niveau wären. — Was die Abhaltung von Fuchsen- und Burschenkursen durch Alte Herren betrifft, so stehe ich ihr pessimistisch gegenüber. Diese Kurse sind im allgemeinen ungeheuer leer und trocken. Man geht nach Hause, ohne die gehörten Dinge innerlich zu verarbeiten. Ueberhaupt sind unsere Fuxen- und Burschenkurse zu unlebendig. Das kann nur geändert werden, wenn man unsere Arbeit abstellt auf das Prinzip der Selbstarbeit. Entscheidend ist weniger die Qualität der Referate als die Intensität, mit der diejenigen, die an dieser Arbeit beteiligt sind, sich den Stoff zu eigen machen. Die Idee der Arbeitsgemeinschaft ist gut und hat sich in Heidelberg bewährt. 25

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