Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 10 (Dezember 1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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sehen Akzent von den Juden unterschied, sowie der im Schlußgesang nach der Melodie „Jachajlili" regelmäßig wiederkehrende Refrain: „Dient nur jeder seiner Gruppe, Kocht nur jeder seine Suppe, Alles Andre ist uns schnuppe!" Die eigentliche Tagung begann am 17. November, sie war von sämtlichen Verbindungen, mit Ausnahme der Heidelberger, beschickt; auch der „Hechawer", Riga, hatte zu unserer Freude einen Vertreter entsandt. Zunächst hielt Bbr. Ludwig Mayer ein Referat über Fuchsenunterrichtund Burschenausbildung: Das Bildungswesen ist im K. J. V. in den letzten Jahren stark vernachlässigt worden. Die Folge ist, daß. wir jetzt eine große Anzahl von älteren und jüngeren Bundesbrüdern haben, die über die ideellen Grundlagen und über wichtige Tatsachen unserer Bewegung nicht genügend Bescheid; wissen. Dieser Zustand ist bei uns noch weniger möglich als in anderen Bewegungen, z. B. der sozialistischen, wo sich das Endziel ebenfalls nicht unmittelbar aus den persönlichen Erfahrungen des Einzelnen ergibt, sondern auf dem Wege über allgemeine Begriffe und Tatsachen, die samt ihren Grundlagen durch geistige Arbeit erworben werden müssen. Deshalb hat gerade Lenin der Kommunistischen Jugend in einem seiner Vorträge ein dreifaches Lernen! zugerufen. Und doch ist diese Notwendigkeit für den Sozialisten noch eine geringere als für den Zionisten, besonders den westlichen, dessen natürliche Verbundenheit mit dem Endziel des Zionismus eine geringere ist, und der einer stärkeren Problematik gegenübersteht. Besonders der K. J. V.er bedarf der Kenntnisse, der ja für den Zionismus aktiv kämpfen will, vor allem heute, wo der Zionismus dadurch, daß sein Werk vorhanden und der Kritik offen ist, stärker in der Defensivstellung ist als früher. — Keinesfalls kann der Mangel an zionistischer und jüdischer Bildung durch stramme Haltung und gute Gesinnung ersetzt werden; wir kommen sonst zu einem zionistischen Banausentum, das gerade in einer akademischen Vereinigung unerträglich ist. Wir sehen uns bei diesem Teile unseres Erziehungswerkes großen Mängeln und Schwierigkeiten gegenüber, die zum Teil in Zeitumständen begründet sind. 1. Unsere Aktiven können großenteils der Verbindung und damit der Arbeit in ihr nicht mehr so viel Zeit widmen, wie das früher der Fall war, sei es wegen stärkerer Inanspruchnahme durch das Studium, sei es durch die Notwendigkeit eines Nebenverdienstes. 2. Der Stoff, der zu bewältigen ist, ist gewaltig angewachsen (z. B. Palästinakunde, Hebräisch). 3. Wir verfügen nicht über geschulte Pädagogen, sondern müssen froh sein, wenn wir überhaupt Leute finden, die genügend Kenntnisse und eine gewisse Fähigkeit haben, sie anderen zu übermitteln. 4. Unsere Füchse sind, wenn sie in die Verbindung kommen, verschieden weit vorgebildet, was natürlich die Durchführung einheitlicher Kurse erschwert. Wenn es trotz aller dieser Schwierigkeiten gelingen soll, unsere Arbeit durchzuführen, so kann dies nur geschehen, wenn diesen Hindernissen innerhalb der Verbindung seelische Kräfte entgegenwirken, die sie kompensieren. Es kommt also auch für diese Arbeit darauf an, daß in der Verbindung ein Geist herrscht, der alle erfüllt; auch der beste Kurs wird das Ziel, daß nämlich freiwillig und intensiv gelernt wird, nicht erreichen, wenn im allgemeinen1 21