Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 10 (Dezember 1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Es galt also den Versuch zu machen, eine Aussprache im wesentlichen unter den Jungen herbeizuführen, wobei die Hoffnung bestand, daß diese die Nöte und Sorgen, aber auch die Erfolge ihrer praktischen Arbeit, die Versuche, die Arbeit innerhalb der gegebenen Grenzen zu bessern, kurz die Verbindung zu einem starken seelischen und geistigen Faktor im Leben des Einzelnen zu machen, miteinander austauschen würden. Dieses Ziel ist zum Teil, aber auch nur zum Teil erreicht worden. Für die Fragen der Gestaltung des Unterrichts, besonders des Tendenizunterrichts, fand sich geringes Interesse. Die Diskussion über die Referate über „Das Leben in der Verbindung" war lebhafter, aber auch sie förderte nur zum Teil Vorschläge zur Ueberwindung der von uns erkannten Mängel und noch weniger Berichte über ihre erfolgreiche Ueberwindung in einzelnen Verbindungen zutage; sie erschöpfte sich zum großen Teil in der Konstatierung der Schwierigkeiten und Behinderungen, die uns durch Umstände auferlegt sind, die wir von uns aus nicht abändern können, wie z. B. die schwere wirtschaftliche Lage des jüdischen Studenten, seinen Zeitmangel, die kritische innere Lage des Weltzionismus, die Schwierigkeit der praktischen Chaluziuth für den deutschen Akademiker usw. Immerhin wurden doch manche beachtenswerte Vorschläge zutage gefördert. Die Veranstaltung begann mit einem Begrüßungsabend, zu dem ein Teil der Berliner Aktivitas sowie die meisten Delegierten erschienen waren. Im Rahmen dieses Abends erzählten zwei Bundesbrüder persönliche Erinnerungen aus lange zurückliegender Vergangenheit, Erinnerungen, die für die zuhörenden jüngeren Bundesbrüder besonders deshalb von Interesse waren, weil sie eine lebendige Verbundenheit mit Zeiten der zionistischen Geschichte und der Geschichte des K. J. V. schufen, über die in Büchern fast nichts zu lesen ist. A. H. Heinrich Löwe erzählte zunächst aus der Zeit vor der Gründung des V. J. St. Berlin. Er gab einen durch zahlreiche Anekdoten belebten Einblick in die damalige deutsch-jüdische und besonders jüdisch-akademische Welt und den Kreis der russisch-jüdischen Studenten, von denen ein starker Impuls zur nationaljüdischen Arbeit ausging. Er erzählte von der Gründung der „Sprevia", der „Humanitätsgesellschaft", des „Jung Israel" und wie es schließlich zur Gründung der „Vereinigung jüdischer Studierender" kam, die sich endlich nach vielen Bedenken „Verein Jüdischer Studenten" nannte: die erste Verbindung des späteren B. J. C. Viele Namen, die später im Zionismus zu Ruhm und Wirkung gelangt sind, zogen vorüber, wobei der spätere zionistische Schmetterling in der ursprünglichen Puppe nicht immer gleich zu erkennen war. Alsdann gab Bbr. Lichtheim persönliche Erinnerungen aus der Zeit, als er für die Zionistische Organisation in Konstantinopel tätig war, besonders aus der Kriegszeit, als es galt, die Verbindungen zwischen der Zentrale in Berlin und Kopenhagen einerseits und dem palästinensischen Jischuw, der in der Kriegszeit vielfach bedroht war, aufrecht zu erhalten. Zum Schluß des Abends führte die Maccabaea ein satirisches Spiel aus der Zeit vor der Zerstörung des zweiten Tempels auf, in dem beinahe so viele verschiedene Gruppen auftraten wie heute im deutschen Zionismus. Besonders eindrucksvoll war ein Samaritaner, der sich durch seinen sächsi- 20