Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 10 (Dezember 1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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sprechen, wie falsch es pädagogisch ist, eine solche Todesprognose für Q5 °/o unserer Menschen zu stellen. Ich behaupte, um der 5 °/o willen, die so überragend sind, daß man sie wohl auch anders bekommen hätte, lohnt sich unsere Arbeit nicht. Es ist unsinnig, immer wieder von der stupiden Majorität und den wenigen Führernaturen zu sprechen, unsinnig die Forderung nach dem Führer immer wieder in die Majorität hineinzuschreien, und zu warten, bis einmal eine Antwort kommt. Man muß sich schon die Mühe machen, bei jedem Einzelnen in einer sehr mühevollen Kleinarbeit alle für uns ausnutzbaren Kräfte zu gewinnen, unser Kreis muß so homogen sein, — und das ist der Gesichtspunkt für die Neuaufnahme — daß wir ein gewisses Maß von Anforderungen an jeden stellen können. Diese Arbeit hat zu beginnen bei der Alltagsarbeit der Verbindung, hat den Willen zum Zionismus in dem Menschen zu wecken, hat das Rüstzeug zionistischen Wissens, das ihn zu selbständiger Stellungnahme befähigt, zu vermitteln, und hat schließlich über eine vernünftige Einstellung im Beruf — zu einem ganzen Menschen zu führen, der sich in den Dienst unserer Sache stellt. Dann mag der Begabtere auf einem Führerposten stehen, der weniger Begabte soll sich an der Stelle einordnen, die seinen Kräften angemessen ist, und die ihn, weil es Dienst an seiner Sache ist, deshalb genau so befriedigt. Wir brauchen jeden und haben nicht das Recht, unsere Erziehung so einzurichten, daß „die Mehrzahl der Schüler das Klassenziel nicht erreichen wird". Ist das das Ergebnis unserer Arbeit, so war die Erziehung schlecht und nicht der Schüler! V. Als das Kartell organisatorisch schlecht war, hat man die Forderung nach praktischer organisatorischer Aufbauarbeit erhoben; man hat ihr gleichsam als Antithese die Forderung nach einer Arbeit unter großen zionistischen Gesichtspunkten entgegengesetzt. Daß das keine Gegensätze sind, daß beides selbstverständlich für uns notwendig ist, weiß jeder von uns. Man soll aber auch endlich aufhören, mit diesen Begriffen zu spielen, und soll zu praktischer zionistischer Arbeit, geleitet von großen Gesichtspunkten der zionistischen Erziehung und Entwicklung unserer Menschen kommen. Die Ersichargierieniagung am 16., 17. und 18. November 1929. Die Erstchargiertentagung sollte, wie in der Ankündigung gesagt, den Zweck haben, eine Aussprache der gegenwärtigen Leiter der Verbinu düngen, also im wesentlichen von Mitgliedern des jungen Kartells herbeizuführen über die tatsächliche Gestaltung des Verbindungslebens und der Erziehung innerhalb der Verbindung. Das sind erfahrungsgemäß Dinge, zu deren Besprechung man auf Kartelltagen meistens nicht mehr kommt; einmal weil dort mehr Fragen allgemeiner und ideeller Art als solche der praktischen Gestaltung behandelt werden, und ferner weil auf Kartelltagen die Jüngeren sich zurückhalten und fast ausschließlich die Aiten Herren, besonders die „Prominenten", das Feld beherrschen. 3* 19