Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 10 (Dezember 1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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dieses Gebiet Verständnis haben, es mit ihnen durchzusprechen und zu versuchen, daß unsere Menschen diese Dinge etwas freier, mit etwas mehr Distanz und dadurch auch zionistischer sehen, dann aber eine sehr gründlich und verantwortungsbewußt betriebene Berufsberatung. Bei der Besprechung in unserem Kreise ist davon auszugehen, daß die Grenzpfähle Deutschlands nicht die Welt bedeuten, daß der Gesichtskreis erweitert wird, und' daß vor allem die heute für einen wirtschaftlichen Kampf auf Leben und Tod sich vorbereitende Energie gelöst und umgewandelt wird, in eine freie, großzügige Denkweise, die vom Wert der eigenen Persönlichkeit ausgehend, zu der Ueberzeugung kommt, daß sie überall ihren Weg machen wird, und die so sich auch stark genug fühlt, Kräfte frei zu machen für den Dienst am Zionismus. Viel konkreter ist die Aufgabe der Berufsberatung. Hier nur einige Gesichtspunkte: Endlich wirklich genauestes Studium und bestimmte Vorschläge für die Möglichkeiten in Palästina (wie lange will man eigentlich noch in den angekündigten Vorarbeiten zur Erfüllung dieser Forderung stecken bleiben?); Erfassung der Menschen vor oder beim Abgang von der Schule oder in den allerersten Semestern, und Beratung mit Hinweis auf Palästina. Diese Beratung muß obligatorisch bei jedem einsetzen, der zu uns kommt, und das Berufsressort darf nicht erst dann in Aktion treten, wenn einer fertig ist und keine Stellung findet. Heute fragt uns ja keiner unserer jüngeren Bundesbrüder, was er beruflich tun soll. Die Aufgabe ist, dieses für uns und für ihn zentral wichtige Gebiet in unseren Arbeitskreis hineinzuziehen. Diese Arbeit hat den Zweck, nach Palästina zu führen, wo irgend Möglichkeiten dazu vorhanden sind, in anderen Fällen eine Einstellung zum Beruf zu erreichen, die die beruflichen Sorgen in die ihnen angemessenen Schranken zurückweist, Kräfte freiläßt für zionistische Arbeit und Möglichkeiten dazu zeigt. III. Ein weiterer Grund dafür, daß das aktive Kartell keine Rolle im zionistischen Leben spielt, ist bekanntlich die fortschreitende parteipolitische Entwicklung innerhalb des Zionismus. Man fragt heute jeden Zionisten, zu welcher Partei er gehört, und ein Kartell, das auf diese Frage keine Antwort gibt, steht außerhalb des zionistischen Tageskampfes. Bleiben uns angesichts dieser Entwicklung überhaupt noch Aufgaben? Ich glaube, gerade in dieser Situation ist ein überparteilicher zionistischer Erziehungsbund notwendig. Es soll hier nicht über Wert und Unwert der parteipolitischen Entwicklung im Zionismus gesprochen werden, die Hauptgefahr, die sie in sich birgt, ist immer, daß die Anhänger der Partei über ihrer Partei das Ganze vergessen. Ich verlange durchaus eine parteipolitische Entscheidung von jedem Bundesbruder, d. h. eine klare Vorstellung von dem Weg, den der Zionismus gehen soll. Aber unsere Menschen müssen mit den zionistischen Grundanschauungen so vertraut sein, daß sie nie das Wohl der Gesamtbewegung aus dem Auge lassen und auch für Einzelprobleme so geschult sind, daß sie nichts kritiklos hinnehmen, was ihnen zu dieser Frage von ihrer Partei vorgesetzt wird. Wenn unsere Menschen hier mit Scheuklappen herumlaufen, wenn sie Beifall klatschen, weil ihr Parteigenosse spricht, nicht weil er vernünftig spricht, dann hat dieses Kartell bestimmt seinen Sinn 3 17