Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 10 (Dezember 1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Chawurah ist nach Möglichkeit als eine Wohn- und Eßgerneinschaft auszubauen, wobei ihr Umfang durchschnittlich nicht mehr als fünf Chawerim betragen sollte. Alle Chawuroth zusammen bilden eine Verbindung. (Hierbei wird vielleicht nötig sein, die Gliederung des Kartells in den großen Städten, wo mehrere Verbindungen bestehen, zu ändern. In den Chawuroth gibt es Jüngere (Zairim) und Aeltere (Sekänim). Ihre Differenzierung, ihre Beziehungen zueinander, die Dauer des Zairlebens, Abschluß desselben usw. sind genau zu regeln und dürften sich in ähnlichen Grenzen bewegen wie heute bei Füchsen und Burschen. Es gibt Chawuroth, die nur aus Aelteren bestehen, während die Chawurath Hazairim immer gemischt ist. Hierdurch wird das Leibfamilienprinzip in unser System aufgenommen. Der Unterricht in den Erziehungskreisen kann in viel intensiverer Form vorgenommen werden, als es bis heute der Fall war. Zu unterscheiden sind hierbei Kurse und Arbeitsabende. Kurse (auch einzelne Vorträge) sind jederzeit innerhalb der gesamten Verbindung, d. h. des Zusammenschlusses aller Chawuroth in einer Stadt, möglich und gelegentlich notwendig. Als Grundlage hierfür könnten die bisherigen Kurse in den Verbindungen dienen. Die Erziehung zur Selbstarbeit und die Fruchtbarmachung der „Tendenz" für den Einzelnen wird an den Arbeitsabenden der Chawurah stattfinden. Keil- und Propagandaveranstaltungen gehören nicht in das Gebiet der Chawurah, doch ist die Prüfung und endgültige Gewinnung eines Menschen nur innerhalb des kleinen Kreises der Erziehungsgemeiaschaft möglich. Gebiete wie Hebräisch und K. J. V.-Unterricht sollten möglichst innerhalb der Chawurah bearbeitet werden. Dagegen gehören Palästinakunde, Geschichte und andere „Realia" zu den Themen der Gesamtverbindung. V. Das vorstehend skizzierte System ist keine Utopie. Auch gilt hier nicht: „Wenn Ihr wollt, ist es kein Märchen", sondern ich glaube an eine zwangsläufige Entwicklung, moderner „Jugendbewegung" in der dargestellten Richtung. Sie entspricht der seelischen Situation unserer Menschen. Und es kommt darauf an, ob das K. J. V. von sich aus an die Lösung des Erziehungsproblemes auf diesem oder einem sehr ähnlichen Wege herangeht oder ob es — von den Dingen der Zeit unberührt — inaktuell, unmodern und ungenießbar für junge Menschen wird. Die „Alten Herren" freilich schütteln die Köpfe, entfesseln einen Präsidiumsstunk, an dem nur sie und kein einziger Aktiver ein Interesse hat und verlassen unsere Reihen, statt hineinzugehen in die großen Scharen unserer jungen Bundesbrüder, die auf ein erlösendes Wort warten. Freilich, ihr jungen Bundesbrüder, warum wartet ihr? Und ist es nichtdieser Vorschlag, der euch gefällt, sosp recht ihr! Eins allerdings wünschte ich für jede Aenderung des jetzigen unhaltbaren Zustandes, daß nämlich das Kartell Jüdischer Verbindungen ein Brith Chawuroth würde, ein Bund verbrüderter Menschen. 14