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Der jüdische Student · 1929-12-01 · Heft 10 (Dezember 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 10 (Dezember 1929)
Date
1929-12-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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von Kindern und jugendlichen Menschen u. a., und so ergibt es sich, daß die sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhänge für Menschen mit achtzehn Jahren durchaus geläufig geworden sind, und daß kein Studium mehr notwendig ist für Dinge, die täglich im Leben erfahren werden. 3. Das Vorstehende gilt ganz besonders auch für den Zionismus, Palästina ist für die jüdische Jugend kein Ideal mehr und kann nicht mehr dazu dienstbar gemacht werden, die Phantasie anzuregen oder es als Theorie zu verteidigen. Es gibt keinen Kampf mehr um den Zionismus als solchen, sondern es ist nur notwendig, mit ihm bekannt zu machen und ihn neben anderen erstrebenswerten Formen des Lebens zur Wahl zu stellen. Kurz, der Spielraum für das „Ideal" ist verringert worden. 4. In einem Punkt unterscheidet sich jedoch die Generation unserer 18 jährigen durchaus nicht von den Menschen, die wir in früheren Jahren für uns gewonnen haben, nämlich im Punkt ihrer individualistischen Lebenseinstellung. Ja, man kann sogar behaupten, daß durch die Steigerung der „Ichbewußtheit" auch die Einstellung in der Bewertung des „Ichs" gestiegen ist. Auf der anderen Seitei ist es für diese Menschen unmöglich geworden, das Individium losgelöst von Gemeinschaft, Volk und Weltbürgertum zu betrachten. Es erscheint ihnen für ihre geistige Haltung notwendig, sich in irgendeine Vereinigung von Individuen einzugliedern (es ist hier nicht die sozialistische Einstellung gemeint, sondern die innere Abhängigkeit von einer geistigen Strömung, also eine kollektivistische Einstellung). Die Abhängigkeit des Einzelnen von Zeit, Ideen, die soldatische Disziplin von Massen und der Gehorsam gegenüber der Losung von Führern ist zwar keine neuzeitliche Erscheinung, aber neu ist bei den Menschen der jungen Generation, daß sie sich von der Gemeinschaft bestimmen lassen, obwohl sie wie nie zuvor die Bewußtheit ihres persönlichen Daseins besitzen. Jegliche Unterordnung geschieht nicht nur freiwillig, sie wird sogar ersehnt. Der Einzelne fühlt sich alleinstehend als machtlos und sucht die Gefährten und den Führer. III. Ich glaube, daß in Zukunft die Erziehung der jungen K. J. V.er auf -eine grundlegend andere Basis gestellt werden muß als jetzt. Alle Erziehungssysteme und Schemata, die ganze Ideologie, von der die J. St.en der vergangenen Jahre gefüllt sind, müssen wir als historisch betrachten und ernstlich den Versuch machen, ein System aufzubauen, das unseren Menschen gerecht wird. Wie es aussehen soll, will ich in Folgendem zu zeigen versuchen. Eine Hauptforderung müssen wir an ein solches System stellen, sein Ziel darf nicht allzu sehr verschieden sein von unserem alten Ziel. Auch durch dieses System wollen wir junge Menschen mit dem Zionismus bekannt machen und sie zu aktiven Mitarbeitern unserer Bewegung heranbilden. Aber der Weg hierzu wird anders sein. Das- Erziehungssystem, das mir vorschwebt und dessen Formen ich zum Schluß dieses Aufsatzes andeute, soll auf dem starken Individualismus unserer Menschen fußen, also von der Freiwilligkeit und von der Kritik ausgehen. Aber, es soll auch dem Bedürfnis entgegenkommen, sich unterzuordnen, in bestimmten genau regu- 12

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