Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 10 (Dezember 1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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geht von ihnen aus, keine Idee zur Gestaltung und Wandlung unserer Arbeit, wie sie notwendig wäre angesichts dieser sich ändernden Zeit, kein revolutionärer, umstürzender und Neues wollender Gedanke ward von ihnen erzeugt. Sie stehen und warten auf das erlösende Wort, auf den Artikel, auf die Rede des Erstchargierten, des Erziehungsreferenten. Sie sind enttäuscht, daß nichts kommt, was sie aufrüttelt und packt. Aber sie selbst . . .? II. Ist das die Schuld des Präsidiums? Ist das der Mangel an Fähigkeit und Kraft zu erziehen? Ich glaube nicht. Ich glaube vielmehr, daß, wie einer unserer Freunde neulich sagte, der geistigste und qualitativ beste Kreis von Menschen nicht imstande sein wird, diese Schar von jungen Menschen zu der gewünschten Lebendigkeit zu bringen. Um diese Behauptung zu beweisen, wäre es von neuem notwendig, die soziologische, wirtschaftliche und geistige Struktur unserer jungen Generation darzustellen, und ich muß bekennen, daß ein Referat hierüber als Einleitung auf der Erstchargiertenkonferenz notwendig gewesen wäre. An anderer Stelle versucht Bbr. Justus Schloß etwas Aehnliches zu geben. Ich möchte daher hier nur, ohne es näher zu begründen, die Generation, aus der sich unsere jungen Bundesbrüder rekrutieren, folgendermaßen charakterisieren: 1. Die geistige Haltung der heutigen Jugend und im besonderen der akademischen (bürgerlichen) Jugend unterscheidet sich von der Haltung der Vorkriegsgeneration und auch von der Haltung der Generation der Jugendbewegung nach dem Kriege (Kriegserlebnisgeneration) dadurch, daß sie nicht mehr im Gegensatz zu der Generation der Aelteren steht, sondern sich in die allgemeinen geistigen, politischen, wirtschaftlichen Strömungen eingegliedert hat. Auch das zionistische Problem, sei es in seiner Individualitätsform oder in der Form des Volksbewegungszionismus, ist kein kämpferisches Problem mehr, sondern Zionismus ist eine anerkannte legitime Angelegenheit geworden. Daher ist auch die Erziehung zum Zionismus und im Besonderen die Erziehung, die durch das Programm des K. J. V. „Zu Männern zu erziehen usw." gekennzeichnet wird, aller derjenigen Komplikationen entledigt worden, die es gemeinsam hatte mit den Problemen der „Jugendbewegung" und den Problemen aller modernen revolutionären Strömungen. 2. Die Einstellung unserer jungen Menschen zum Problem des Daseins ist bewußter und realer geworden, als sie es jemals gewesen ist. Wir stellen fest, ohne daß wir auch dieses näher begründen wollen, daß jede Art von Lebensgenuß für diese jungen Menschen „natürlich" geworden ist, daß ihr Daseinskampf, der nicht erschwert wird durch die Möglichkeit eines Vergleiches mit glücklicheren Vorkriegszeiten, zwar viel härtere Formen angenommen hat, als es jemals der Fall war, daß aber diese Härte durchaus als etwas Selbstverständliches hingenommen wird. Hierzu kommt, daß eine Reihe von Zielen, für die viele ältere Generationen gekämpft haben, erreicht worden sind, beispielsweise die Gleichstellung der Frau mit dem Mann in beruflicher Beziehung, die Anerkennung der Eigenart 2* 11