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Der jüdische Student · 1929-12-01 · Heft 10 (Dezember 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 10 (Dezember 1929)
Date
1929-12-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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mester Nationalökonomie studiert, um dann nicht viel mehr davon zu wissen, als die Ableitung des Kapitalzinses durch Karl Marx, während er bei rechtzeitiger Spezialisierung, beispielsweise auf gewisse Gebiete der Handelsjournalistik eine große berufliche Chance nach beendetem Studium gehabt hätte. Er hat von dieser Chance und ihren Voraussetzungen nichts gewußt, und wir, die durch Beruf und Erfahrung davon wußten, haben ihm nichts davon gesagt. Sicher gibt es solche Spezialisierungschancen in allen Fakultäten. Nur machen wir nichts daraus, weil diejenigen, die sie kennen, zu gedankenlos sind, um überhaupt auf die Idee zu kommen, daß es ein junges Kartell gibt, das an Berufssorgen krankt. Wozu aber ist ein auf Bundesbrüderlichkeit basierendes Kartell gut, wenn beruflich erfahrene Bundesbrüder den beruflich unerfahrenen nicht einmal mit ihren Erfahrungen zur Seite stehen? Man soll nun nicht sagen, daß dies alles mit der zionistischen Zielsetzung des Kartells nichts zu tun habe, ihr womöglich geradezu entgegengesetzt sei. Das ist falsch und engstirnig gedacht. Zionismus kommt nur zu den wenigsten auf Adlerschwingen. Der Zionismus der vielen — besonders aber das Maß ihrer zionistischen Aktivität — ist eine Funktion ihres beruflichen und wirtschaftlichen Standards. Eine Proletarisierung, wie wir sie gegenwärtig im deutschen Judentum beobachten, ist für uns schlimmer als die Verbürgerlichung vor dem Kriege. Was wir in beruflicher und wirtschaftlicher Beziehung für das junge Kartell tun, kommt unserer zionistischen Zielsetzung zugute. (Eine Erörterung der Lage des „Alten Kartells" folgt.) Brüh Chawuroth. Von Alfred Berliner. I. Die Erstchargiertenkonferenz war ein Mißerfolg, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß eine Reihe von Regiefehlern des Präsidiums dazu beigetragen haben. Die wirkliche Ursache des Mißerfolges liegt jedoch tiefer. Sie liegt darin, daß das Kartell ein Betri eb geworden ist, ein freilich im allgemeinen nicht schlecht funktionierender Betrieb, aber voll von Ungeist, von Langeweile, von Unlebendigkeit. Nicht etwa nur die „Opposition", sondern auch der „Präsidialkreis" und alle diejenigen, die sich für die Erziehung unseres Nachwuchses verantwortlich fühlen, empfinden und kritisieren diesen Zustand. Und nur diejenigen, auf die es ankommt, die Aktiven, rühren sich nicht Sind sie zu bescheiden, an den „alten" Herren Kritik zu üben? Sind sie zu unintelligent, um den Sinn des K. J. V., die Bedeutung unserer Erziehungsarbeit zu erfassen? Oder wollen sie nicht, daß unsere Gemeinschaft mehr für sie bedeute als ein Studentenverein mit gewissen idealen Zielen? Seit Jahren haben wir keine so willige, so denkende, so ergebene, so selbstbewußte Schar junger Menschen und so große Schar zudem in unseren Reihen gehabt wie gerade jetzt. Aber eins erscheint mir sicher: Diese Aktiven sind keine Aktivisten. Kein Strom von Impulsen 10

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