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Der jüdische Student · 1929-12-01 · Heft 10 (Dezember 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 10 (Dezember 1929)
Date
1929-12-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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wissen gegen das zionistische Kartellziel vergiftete Berufsförderung unserer jungen Menschen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Gleichgültigkeit, die wir am jungen Kartell beklagen, sehr wesentlich durch schlechte Berufsaussichten verursacht ist. Gelingt es uns, bei unseren jungen Bundesbrüdern das Gefühl zu erwecken, daß sie mit ihren Berufssorgen bei uns nicht verloren sind, so ist damit für die Atmosphäre im Kartell schon sehr viel getan. Die vom Bezirksverband Mitteldeutschland unter Mitwirkung des Präsidiums vor einigen Wochen in Leipzig gegründete Kreditgenossenschaft ist ein erster, wichtiger Schritt auf diesem Wege. Die Ausgestaltung der lange vernachlässigten und auch heute über Anfänge nicht hinausgediehenen Berufsvermitthing ist der zweite. Aber dies alles genügt nicht. Wichtiger noch ist eine sorgfältige, mit dem ersten Semester, womöglich schon vorher beginnende Berufsberatung. Wenn schon zahllose junge Leute nur darum studieren, weil bei dem bekannten Mißverhältnis zwischen Schulbildung und Erwerbsmöglichkeiten die Chance der studierten Berufe vielleicht doch eine Kleinigkeit größer ist als die der unstudierten, so entheben uns diese Art von Studienmotivem keineswegs der Notwendigkeit, „to make the best of it". Wir Juden sind Spezialisten nicht erst im Zeitalter der Spezialisierung geworden. Wenn wir im Galuth immer die wirtschaftlich „fortgeschrittensten" Elemente gewesen sind, so beruht diese Fortschrittlichkeit vor allem auf der Tatsache, daß in dem Wirtschaftsaufbau der Völker für uns kein legaler Platz war. Wir mußten uns gewissermaßen in den Fugen der jeweiligen Wirtschaftsordnung ansiedeln, und wenn, wie Sombart meint, daraus der Kapitalismus entstanden ist, so liegt dies daran, daß solche Fugen vorhanden waren, in denen wir uns, gezwungenermaßen, ansiedeln konnten. Auch heute ist — allem gegenteiligen Scheine zum Trotz — diese geschichtliche Ursache unseres ökonomischen Pionier- und Spezialistentums noch wirksam. Es ist noch immer so, daß wir die neuen Wege austreten müssen, an denen die anderen dann ihre Paläste bauen, während wir sie nachher als Schnorrer durchirren. Das ist unser Galuthschicksal. Wo immer wir neue Wege schaffen, drängen die andern hinter uns her, verdrängen uns und machen sich breit. Nachdem wir einige Generationen hindurch glauben konnten, die Zeiten unseres Umherirrens in der deutschen Wirtschaft seien vorüber, wissen wir heute, daß wir weiter eigene Wege gehen müssen. Für die anderen mag es genügen, Medizin, Jura, Chemie oder Nationalökonomie schlechthin zu studieren. Für uns genügt es nicht. Erstens sind bei gleichem Studiengang unsere Berufsaussichten schlechter als die der anderen, und zweitens sind wir nicht so bescheiden wie sie. Bis zu dem noch nicht absehbaren Zeitpunkt, wo das wirtschaftliche Gleichgewicht Europas durch Oeffnung des großen russischen Wirtschaftsgebietes unter einem anderen politischen Regime wieder hergestellt sein wird, sind wir gezwungen, die berufliche Arbeitsteilung und Arbeitsspezialisierung über den gegenwärtigen Stand hinauszutreiben — ganz abgesehen davon, daß durch die Entwicklung von Wissenschaft, Technik und internationalen Beziehungen die objektiven Voraussetzungen für eine solche Spezialisierung gegeben sind. Hier liegt für die Altherrenschaft eine große Aufgabe. Das Karteil handelt unverantwortlich, wenn es zuläßt, daß ein Bundesbruder zehn Se- 2 9

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